Vernetztes Wohnen

Märkte & Unternehmen

Nürnberg,  29. August 2017


Personalisierte Medien-Assistenz: Medienteilhabe von Patienten als neue Sorgestruktur etablieren

Der Einsatz und die Nutzung digitaler Medien garantiert eine neue Freiheit von Mobilität in einer globalen Welt. Indes: Die heutigen Senioren im Alter von über 70 Jahren sind nicht flächendeckend „connected“. Praxisberichte und wissenschaftliche Erhebungen der letzten Jahre zeigen jedoch: Ein ideenreicher Umgang mit den neuen Medien erhöht die Lebensqualität und bietet Vorteile in weniger mobilen Zeiten wie bei Krankheit oder Behinderung.


Ein Plädoyer für eine personalisierte Medien-Assistenz.
Von: Sabine Distler* | Curatorium Altern gestalten e. V. 

Die Lebensqualität von Senioren und Menschen mit Pflegebedarf ist von einer ganzheitlichen Caring Community und einer lebensweltorientierten Pflege abhängig. Speziell in Grenzsituationen sind Menschen daher auf technische Unterstützung und soziale Hilfen angewiesen. Über diese punktuelle, zeitliche Hilfe hinaus ermöglichen digitale Medien eine konkrete Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Vorausgesetzt, es existiert ein entsprechendes, frei verfügbares Angebot in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, im betreuten Wohnen oder in den Seniorenheimen.  

Zentrale Fragen, die sich heute – und erst recht in naher Zukunft – stellen, lauten: Wer kümmert sich beim ambulanten Pflegedienst, im Krankenhaus oder im Pflegeheim um die Zugänge zur Nutzung eines Tablets oder eines Smartphones? Wer integriert medienbezogene Rituale in den Pflegeablauf und ermittelt die Wünsche der Senioren hinsichtlich des Aufspielens einer neuen App auf das eigene Smartphone? Und vor allem: Wer in den Einrichtungen baut die individualisierten Skype-Verbindungen zur täglichen Kommunikation mit den Angehörigen auf und sorgt dafür, dass alle Medien funktionieren und neue Geräte in die vorhandene Struktur eingegliedert werden?  

Die Antwort ist einfach: Bislang übernehmen – wenn überhaupt – Angehörige oder auch Nachbarn diese Aufgabe. Eine professionelle Unterstützung gibt es nicht. Dabei ist Medienteilhabe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie gehört in eine moderne Versorgungsstruktur Deutschlands integriert.


Medienadaptierbare Aktiv- und Telehealth-Systeme

Angesichts dieses Mankos ist es notwendig, auf lokaler wie auch auf regionaler Ebene vorhandene Verantwortungsstrukturen neu zu beleben und zu gestalten. Mit dem Ziel, das Zusammenleben von Bürgern zu stärken und zu sichern und neue Formen gegenseitiger Unterstützung zu etablieren – im Übrigen eine zentrale Forderung des 7. Altenberichts des Bundesregierung aus dem Jahr 2016.

Erste Lösungen bietet das gemeinnützige Curatorium Altern gestalten e. V., Nürnberg (age cu). Das im Haus entwickelte gerontologische Aktivitäts- und Analyseprogramm PUMA (Person-Umwelt-Medien-Assistenz), vermittelt über die Schulung von örtlichen Multiplikatoren sowohl Ideen und Nutzen als auch Wirkung und Einsatz von Maßnahmen zur Nutzung digitaler Medien für eine verbesserte Medienteilhabe von Senioren.  

PUMA richtet sich als Kooperations- und Schulungskonzept an Kommunen, Pflege- und Gesundheitsorganisationen und an die Wohnungswirtschaft. Es unterstützt beim Aufbau neuer lokaler Sorgestrukturen und bei der Vertiefung zukunftsfähiger Netzwerke. Das Programm wird kontinuierlich durch eine Community des Konzeptträgers fachlich begleitet. Die geschulten örtlichen Multiplikatoren geben das Wissen an Angehörige, Ehrenamtliche und Betreuungspersonen weiter und bauen auf diese Weise einen lokalen Pool von professionellen Ansprechpartnern für eine personalisierte Medien-Assistenz in der Region auf.  

* Inhalte von Gastautoren geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder.
Bild: @ Sabine Distler