Vernetztes Wohnen

Exklusive Interviews

Braunschweig,  02. November 2017


Interview Dr. Andreas Göpfert | Klinikum Braunschweig | Entlassmanagement

"Ich glaube, dass wir in Zukunft sehr quer denken müssen."

Innovativer Spirit: Querdenker Dr. Andreas Goepfert (57), Geschäftsführer Städtisches Klinikum Braunschweig gGmbH, ist Impulsgeber und Initiator des deutschlandweit einzigartigen Netzwerkangebotes „Rundum-Service“ im Bereich Entlassmanagement, Wohnen und Service. Zusammen mit Kooperationspartnern aus der Wohnungswirtschaft und der Pflege hat er ein Projekt gestartet, das Mehrwerte für Patienten, Kunden und Unternehmen generiert. Wirtschaftsbrief Gesundheit sprach mit dem promovierten Mediziner und diplomierten Gesundheitsökonom über seine Intention und über die neue Lösung.

Das Gespräch führte Chefredakteurin Thordis Eckhardt.


WIB: Dr. Goepfert, Sie leiten seit dem Jahr 2016 die Geschäfte des Klinikums und beschreiten neue Wege jenseits etablierter Krankenhauspfade, beispielsweise durch branchenübergreifende Kooperationen. Welche Intension liegt ihrem gemeinsamen, wirtschaftlichen Angebot zugrunde, lösungsorientierte Produktpakete für Patienten zu schnüren und diese kostenpflichtig in den Markt zu bringen?

Dr. Goepfert: Das ist ganz einfach: Unsere Aufgabe als Klinikum liegt in der Versorgung von Patienten. Das geht aber nur, wenn sich der Patient auch versorgen lässt. Für eine OP beispielsweise muss der Patient zu uns in Krankenhaus kommen; lebt er aber allein zu Hause, sorgt sich um seine Wohnung, seine Pflanzen, Tiere oder um die Sicherheit seines Eigentums, schiebt er den OP-Termin hinaus oder verzichtet ganz auf ihn. Das ist ein Problem und dieses wollen wir in Kooperation mit der Wohnungs-, Wohlfahrts- und der Pflegewirtschaft gemeinsam lösen. Vor diesem Hintergrund haben wir sogenannte „Service-Pakete“ für Patienten geschnürt: Sie sollen ihnen die Sorge um ihr Zuhause während ihrer Abwesenheit nehmen, damit sie sich beruhigt ins Krankenhaus begeben können.  


WIB: Der Vorteil für die Patienten liegt auf der Hand. Welches Interesse hat das Krankenhaus?

Dr. Goepfert: Zunächst einmal kommt der betroffene Patient freiwillig und entspannter ins Krankenhaus, weil sein persönliches Lebensumfeld geordnet und geregelt ist. Zudem hat er sich bewusst für unser Krankenhaus und die medizinischen Leistungen im Haus entschieden. Denn er fühlt sich gut aufgehoben und weiß, dass auch nach seiner Entlassung für ihn im eigenen Zuhause gut gesorgt sein wird und Ansprechpartner zur Unterstützung bereitstehen.

Und noch ein Punkt ist relevant: Wir als Krankenhaus wollen die Patienten ja gar nicht so früh in der Klinik haben; uns ist daran gelegen, dass sich Menschen präventiv um ihre Gesundheit kümmern und solange wie möglich selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden wohnen, leben und alt werden können. Genau hierfür ist das Unterstützungsangebot vom „Rundum-Service“ konzipiert.  


WIB: Welche Mehrwerte ziehen Wohnungsunternehmen und Wohlfahrtsorganisationen aus dem Angebot?

Dr. Goepfert: Der Gedanke ist ein langfristiger. Er beruht zum einen darauf, Kunden, Mieter und Patienten von Wohnungsgesellschaften, Wohlfahrtsorganisationen und Pflegeeinrichtungen über die Unterstützungsangebote zu informieren, Hilfestellungen zu leisten, Wissen und Angebote zu verbreiten und eine langfristige, familiäre Kundenbindung aufzubauen. Natürlich auch mit dem Ziel, dass sich die Menschen in Betreuungs-, Krankheits- oder Notfällen an genau jene Unternehmen und Organisationen wenden, die sie kennen und denen sie vertrauen.  


WIB: Zurück zum Klinikum: Wo sehen Sie dessen Zukunft im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen?

Dr. Goepfert: Ich glaube, dass wir in Zukunft sehr quer denken müssen: Krankenhäuser beispielsweise müssen sich aus meiner Sicht zunehmend mit anderen Branchen vernetzen und Verständnis dafür aufbringen, dass genau das notwendig und sinnvoll ist. Wir müssen uns von dem Gedanken trennen zu glauben, dass wir alles allein können. Kooperationen mit Industriepartnern sind schon gängige Praxis; Konzepte mit dem Einzelhandel wären aber genauso zielführend wie der jüngst von uns angestoßene, lockere Zusammenschluss mit der Wohnungs- und der Pflegewirtschaft. Dieses Projekt müssen wir jetzt erst einmal zum Fliegen bringen und beweisen, dass es langfristig funktioniert und Nutzen stiftet. Die gewisse Größe, Reputation und Marktpräsenz haben die Partner – eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg.  


WIB: Dr. Goepfert, wir danken Ihnen für das Interview.


Bild: @ Städtisches Klinikum Braunschweig