Vernetztes Wohnen

Technologien & Anwendungen

Braunschweig,  22. Februar 2016


Fünf Jahre Modellwohnung +raum: Wolfsburg AG baut weiter aus

150 Quadratmeter Zukunft – technisch vernetzt und barrierefrei: Die Modellwohnung +raum der Wolfsburg AG, Wolfsburg, hat sich am Markt etabliert. Mit über 160 präsentierten Produkten zum barrierefreien und selbstbestimmten Wohnen im Alter hat die 4-Zimmer-Wohnung in den vergangenen fünf Jahren in der Region Wolfsburg (Norddeutschland) über 3.000 Besucher angezogen.  

Ein beachtenswertes Ergebnis. Shanna Weiser, Leiterin Team Demografie im Geschäftsbereich Gesundheitswirtschaft der Wolfsburg AG: "Wir haben den +raum seit der Eröffnung im Jahr 2011 schon zweimal um- und ausgebaut und dem Puls der Zeit angepasst. Lösungen zur technischen Gebäudesteuerung sind hinzugekommen, das Bad wurde mit neuen Produkten ausgestattet und die Wohnung mit einem Boden- und Farbkonzept versehen, das Orientierung und Anregung für Menschen mit Sehbehinderung oder Demenz bietet. Das klingt unaufgeregt, hinter den Maßnahmen stecken jedoch Produkte, die den Alltag für Menschen in verschiedenen Lebenslagen erheblich vereinfachen."

Ein Beispiel ist der im Bad eingebaute Multisensor, der sieben Parameter misst: Er kontrolliert Luftfeuchtigkeit und -qualität, registriert Präsenz und Bewegung, reguliert die Helligkeit, übernimmt die Funktion eines unabhängigen Brandmelders und löst Alarme aus. Daneben ist das Bad unter anderem mit einem höhenverstellbaren WC und Waschbecken ausgestattet.  

Im Schlafzimmer wiederum sind ein Patienten-Decken-Lifter verbaut, eine Sensormatte mit Sturzerkennung ausgelegt und eine 3D-Tapete verarbeitet, die als Schutz gegen mechanisch verursachte Abnutzung, beispielsweise durch Rollatoren oder Rollstühle, dient. Absenkbare Gardinenstangen, barrierefreie Schränke mit absenkbaren Regalböden oder der selbständig agierende Staubsauger iRobot erleichtern das Leben in der Wohnung.  

Insgesamt arbeitet die Wolfsburg AG mit 55 Partnern aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Allein in den vergangenen zwei Jahren konnten 14 neue Unternehmen für den +raum gewonnen werden. Shanna Weiser: "Aus der Kooperation heraus entstehen die innovativsten Ideen." Ein Beispiel ist die Entwicklung eines so genannten Alltagszenarios. Dazu setzten sich fünf Unternehmen zusammen und erarbeiteten eine intelligente Vernetzung ihrer unterschiedlichen Produkte. "Von der neu entstandenen Systemlösung waren alle Beteiligten positiv überrascht“, so Weiser weiter.

Die Darstellung von Alltagsszenarien durch die herstellerübergreifende Vernetzung von Produkten stellt eine Besonderheit in der Modellwohnung dar: Sie antizipieren tägliche, abendliche und nächtliche oder auch Notfall-Situationen wie den "nächtlichen Toilettengang" – und stellen die Wohnung entsprechend der vorhersehbaren Ereignisse ein: Beim Gang zum WC aktiviert sich beispielsweise das Beleuchtungsleitsystem automatisch mit Hilfe einer Sensormatte, und auch die höhenverstellbare Toilette passt sich der Größe der jeweiligen Person an.  

Ein Ergebnis, das zeigt, dass Ambient Assisted Living (AAL) nach Jahren der Forschungs- und Entwicklungsarbeit zunehmend in der Praxis Einzug hält. Die Verbraucher setzen sich vermehrt mit den neuen Technologien auseinander und sehen die Vorteile für die Integration in die eigene Wohnung. Shanna Weiser: "Das Klientel der Besucher unseres +raum hat sich verändert. Anfänglich interessierten sich vor allem Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Informatiker für die Modellwohnung. Heute kommen zunehmend mehr Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen und Wohnungswirtschaften sowie Endverbraucher zu uns." Sie erhalten neben einem Einblick in die Modellwohnung auf Wunsch eine allgemeine Wohn- und Pflegeberatung und Informationen zum Erwerb der Produkte in der Region.  

Der +raum wurde von der Initiative SmartHome Deutschland im Jahr 2015 mit dem 3. Preis in der Kategorie "Bestes realisiertes Projekt" ausgezeichnet.  


Autorin: Thordis Eckhardt 
Bilder: Wolfsburg AG