Spezial: eHealth

Spezial: eHealth

Hamburg,  08. November 2016


Erster ePA-Ländervergleich: Deutschland verliert weiter Anschluss

Überzeugende Zahlen: Deutschland liegt bei der Implementierung der Elektronischen Patientenakte (ePA) im EU-Ländervergleich von 20 Nationen im Mittelfeld – und verliert weiter den Anschluss.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Stiftung Münch, München, die erstmals mittels einer Scorecard einen vergleichenden Stand der Einführung einer ePA untersuchte. Die Spitzenplätze belegen Dänemark, Schweden und Estland. Deutschland nimmt Platz 10 ein.

Der Grund: Die Strategien zur Nutzung einer ePA werden in Österreich beispielsweise von Regierung und Bevölkerung gleichermaßen getragen: Die Politik gibt die Marschroute vor, die Systempartner wiederum haben Freiraum bei der Entwicklung. Ein gutes Beispiel ist nach Studienerkenntnissen auch in Israel zu finden, das mit seiner weit fortgeschrittenen und entwickelten Digitalisierung verdeutlicht, wie entscheidend ein starker Wille seitens Versicherer, Leistungsanbieter und Staat bei der erfolgreichen Umsetzung der ePA ist: Das Land ist weltweit führend in der Nutzung der Elektronischen Patientenakte über ihre eigentliche Funktionalität hinaus.

Fazit: Die Studie belegt, dass in Ländern mit einer gut etablierten ePA klare Vorgaben des Gesetzgebers die Basis der erfolgreichen Einführung waren. Deutschland benötige daher eine langfristige, nationale eHealth-Strategie und den politischen Willen zur erfolgreichen Durchführung des Projekts. Modulare und pragmatische Ansätze müssten dabei im Vordergrund stehen und hohe Investitionen für den Aufbau flächendeckender Strukturen bereitgestellt werden. Ein wesentlicher Punkt sei auch eine konsequente Kommunikationsstrategie, die Bürger und Leistungserbringer von den Vorteilen einer ePA überzeuge.

Die Zeit drängt: Denn anders als die deutsche Politik haben speziell Unternehmen der freien Wirtschaft das ökonomische Marktpotenzial einer ePA bereits für sich entdeckt: Unternehmen wie Apple oder der Gesundheitsversorger Kaiser Permanente, USA, entwickeln aktuell von nationalen Strategien losgelöste ePA-Anwendungen. Es bleibt eine Frage der Zeit, wer die Hoheit über die Versorgungsdaten erhält.