Spezial: BGM

Spezial: BGM

Bielefeld,  30. März 2016


Forscher entwickeln virtuellen Schreibtisch und vergrößern das Büro

Den heimischen Schreibtisch mit einer Virtual-Reality-Brille (VR-Brille) erweitern: Daran arbeiten Forscher des Exzellenzclusters CITEC der Universität Bielefeld. Zusammen mit dem Softwarehersteller Ceyoniq Technology GmbH, Bielefeld, haben sie ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Dokumente in einer künstlichen Umgebung betrachten und sortieren lassen. Für die neue Software wird die Entwicklerversion der VR-Brille Oculus Rift benutzt.

Hintergrund: Beim herkömmlichen Betrachten von Dokumenten auf einem Computerbildschirm werden diese in Form eines Dokumentenbaumes dargestellt. Er zeigt an, wie die Textdateien, Bilder oder Videos sortiert sind. Die Dateien lassen sich anklicken und verschieben. Mit der neuen VR-Brille soll dieses Muster abgeschafft und vereinfacht werden. Informatiker Dr. Thies Pfeiffer, technischer Leiter des Virtual-Reality-Labors: „Mit unserem neuen virtuellen System machen wir die Daten hingegen greifbar und ermöglichen, sie im Raum anzuordnen.“ Dann sollen Träger von VR-Brillen eine künstlich erschaffene Welt sehen und den Eindruck gewinnen, sich tatsächlich in der interaktiven Umgebung zu befinden.

Die CITEC-Forscher haben die VR-Brille um eine weitere, zentrale Funktion ergänzt: In ihrem System können die Nutzer auch ihre Hände benutzen und virtuelle Gegenstände greifen. „Teil des Systems ist ein virtueller Schreibtisch, auf dem der Nutzer seine Dateien sortieren kann“, so Pfeiffer. Dafür greift der Nutzer nach der gewünschten Datei, beispielsweise einem Video, und legt es auf dem Schreibtisch ab. Das Video lässt sich einfach durch das Berühren mit der virtuellen Hand starten. Die Datei wird anschließend auf einem virtuellen Computerbildschirm abgespielt. „Der Nutzer kann Dateien also intuitiv mit Gesten und Bewegungen organisieren“, sagt Thies Pfeiffer. Der Schreibtisch und das Büro, in dem er steht, sind dem tatsächlichen Arbeitsplatz des Nutzers nachempfunden. Der Nutzer hat also den Eindruck, sich in seinem gewohnten Umfeld zu befinden. „Das sorgt auch dafür, dass er sich schnell in dieser künstlichen Umgebung zurechtfindet.“

Weiterer Vorteil: Während Büro und Arbeitsplatz in der Regel räumich begrenzt sind, bietet die Virtualität einen unbegrenzten Raum: So kann beispislweise der Schreibtisch beliebig vergrößert und auch der Bildschirm auf Wunsch verbreitert werden. Präsentiert wird das Ergebnis im Showroom von Ceyoniq in Bielefeld. Dort kann es als Alternative zum traditionellen Desktop-Computer zur Verbindung mit dem Dokumentenmanagement-Server „nscale“ getestet werden.

In der Kooperation mit dem Unternehmen haben Thies Pfeiffer und seine Kollegen zudem virtuelle Regale programmiert, die Dokumente verwahren und anzeigen. Jedes Regal enthält Dokumente zu einem Themenbereich. So lassen sich die Einträge einer Datenbank darstellen – etwa Personalkarteien, in denen Gehaltsklassen, Weiterbildungen und Wochenarbeitszeit verzeichnet sind. „Wenn sich der Personalverantwortliche nun einen schnellen Überblick verschaffen will, setzt er sich die VR-Brille auf, sieht die Regalreihen durch und erkennt zum Beispiel, wie viele Personen in Teilzeit arbeiten oder eine Weiterbildung absolviert haben“, sagt Pfeiffer. „Und wenn er die Regale regelmäßig anschaut, bemerkt er direkt, wo sich Veränderungen ergeben haben.“

Die CITEC-Forscher denken zusätzlich über die Entwicklung eines digitalen Bürosystems nach, das Projektoren einsetzt. Digitale Dokumente sollen dann als Projektion auf dem Schreibtisch dargestellt werden. Beispielsweise kann ein Anwender dann ein ausgedrucktes Formular wie ein Bestellformular auf dem Schreibtisch ablegen, welches automatisch eingescannt wird. Das System wiederum könnte anschließend per Projektion diejenigen Dokumente und Daten ergänzen, die zu der Bestellung gehören – etwa den Lieferschein – und die Zahlung anschließend durch den Nutzer angewiesen werden.