Spezial: AAL

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Gießen,  12. Juli 2016


Uniklinik Gießen eröffnet Deutschlands erste barriefrefreie Blutspende für Blinde

Erstmals in Deutschland können blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei Blut spenden. Am Universitätsklinikum Gießen (UKM) eröffnete diese Woche die erste Station.

Das Besondere daran: Bislang scheiterten die Blutspenden an der strengen Regulierung des Arzneimittelgesetzes, das das eigenständige Ausfüllen eines persönlichen Blutspender-Fragebogens und eines vertraulichen Selbstausschlusses nicht ermöglichte. Beides stellt eine wesentliche behördliche Forderung nach der vollständigen Vertraulichkeit im Rahmen der Blutspende dar und wurde bei der Spendergruppe als nicht erfüllt angesehen. Verschiedene Blutspende‐Einrichtungen in Deutschland hatten deswegen blinde und sehbinderte Menschen häufig abgewiesen.

Das Problem ist jetzt gelöst: In der Blutspende des Universitätsklinikums Gießen ist mittels technischer Hilfsmittel eine barrierefreie Blutspende konzipiert und eingeführt worden: Das Ausfüllen des Blutspender‐Fragebogens ist nun an einem Computer mit Braille-Zeile und Sprach-Ausgabe barrierefrei möglich. Für das eigenständige Ausfüllen des vertraulichen Selbstausschlusses wurde eine Schablone in Braille-Schrift entwickelt.

Die Lösung stammt aus dem Zentrum für Transfusionsmedizin am UKGM Gießen und aus dem Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende (BliZ) der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Die Projektgruppe stand unter Leitung von Prof. Holger Hackstein (UKM) und Andreas Deitmer (BliZ).

In Deutschland gibt es nach Schätzungen der WHO rund eine Millionen blinde oder sehbehinderte Menschen, die bislang von der Bluspende nahezu ausgenommen waren.