Spezial: AAL

Spezial: AAL

Braunschweig,  02. April 2015


Smartphone-App hilft Sehbehindeten sicher über Ampelkreuzungen

Blinde und sehbehinderte Verkehrsteilnehmer können auf mehr Mobilität hoffen: Mithilfe einer Spezial-App kann ein Smartphone zum Assistenzsystem für die sichere und komfortable Navigation von Menschen im Stadtverkehr werden. Braunschweiger Wissenschaftler haben einen Online-Routenplaner als Prototypen inklusive der technischen Infrastruktur entwickelt – und erstmals erprobt. Der Test fand im Rahmen des Forschungsprojektes „Innerstädtische Mobilitätsunterstützung für Blinde und Sehbehinderte“ (InMoBS) statt. An dem dreijährigen Projekt waren Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt am Standort Braunschweig und der Industriepartner Siemens beteiligt. Ein Projekt mit Erfolg.


Der Grund:
Für Blinde und Sehbehinderte ist der sogenannte Langstock ein wichtiger Begleiter im Alltag – mit der App könnte ein weiteres Hilfsmittel künftig mehr Mobilität und Vereinfachung ermöglichen. Denn für blinde und sehbehinderte Verkehrsteilnehmer, erklärt Projektkoordinator Steffen Axer von der TU Braunschweig, beschränke sich der Aktionsraum meist auf vorher eingeübte Wege. Mit dem nun entwickelten Assistenzsystem, bestehend aus einer Smartphone-Applikation und einem Routenplaner, können Menschen mit eingeschränkter Sehkraft diese Wege nun komfortabler und unbekannte Wege sicherer beschreiten, so Axer weiter.

Und so funktioniert es: Bekannte und neue Wegstrecken können mit dem „InMoBS“-System am Heimcomputer individuell geplant und auf dem Smartphone mittels der ebenfalls barrierefreien App abgerufen werden. „Barrierefreie Apps sind bei Blinden und Sehbehinderten mittlerweile wertvolle Helfer. Fast alle Smartphones verfügen über GPS-Empfänger und Vibrationsalarm, so dass wir mit unserer Software gut auf diese Plattform aufsetzen konnten“, erklärt Jörg Belz, für die App-Entwicklung zuständiger DLR-Ingenieur. „Die Navigationsdaten werden durch die App umgesetzt und über das Smartphone als Vibration und Ansage an den Nutzer ausgegeben.“ Außerdem ließen sich wichtige Wegpunkte abspeichern und Umgebungsinformationen abrufen. Speziell Kreuzungen gelten für blinde und sehbehinderte Verkehrsteilnehmer als besondere Gefahrenpunkte, ergänzt Roland Wunder, der sich seitens des Industriepartners Siemens mit technischen Lösungen zum sichereren Überqueren von Ampelkreuzungen auseinandergesetzt hat. „Mittels W-LAN kann das Smartphone an diesen sensiblen Verkehrsknotenpunkten das Ampelsignal abrufen, mit den hinterlegten Kartendaten kombinieren und an den Nutzer ausgeben. Auf diese Weise kommen auch bei vielen Umgebungsgeräuschen die wichtigen Informationen beim Nutzer an“, erklärt der Experte für kooperative Verkehrssysteme.

Zur Erprobung wurde die Lösung als Baustein in die Braunschweiger ‚Anwendungsplattform Intelligente Mobilität‘ des DLR integriert und steht auch weiteren Projekten zur Verfügung. „Mit ‚InMoBS‘ haben wir nicht nur die vorhandene Plattformen wie etwa Smartphone und Lichtsignalanlage zusammengeführt und für die Anforderungen blinder und sehbehinderter Verkehrsteilnehmer untersucht, sondern auch die Grundlagen für ein künftiges Assistenzsystem gelegt“, fasst Koordinator Stefan Axer das Projekt zusammen.


Autorin: Beate Ziehres, regjo Südostniedersachsen
Bilder: TU Braunschweig; Projekt InMoBS