Spezial: AAL

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Eschborn,  30. August 2016


Smart Home und Bau: auf der Suche nach Verständnis & Kompatibilität

Wirtschaft denkt in Skaleneffekten – und genau die sind notwendig, um Smart Home-Anwendungen endlich in die Fläche zu bringen. „Der Markt ist da“, sagt der Geschäftsführer von SmartHome Deutschland, Alexander Schaper, auf dem Smart Home-Kongress vergangene Woche in Hannover. Er plädiert für einen Weg der Einfachheit, Erklärbarkeit und Kompatibilität: „Wir dürfen die Kunden nicht überfordern mit unverständlich ausgedrückten und übertechnisierten Erklärungen. Wir müssen Smart Home herunterbrechen auf den kleinstmöglichen, auch wirklich umsetzbaren Nenner. Ansonsten verbauen wir uns die Chance, unser Ziel zu erreichen – nämlich ein Massenmarkt zu werden.“

Konkrete Ansätze für eine verbesserte Kommunikation werden vor allem in der Bauwirtschaft gesehen. Ute Juschkus, Projektleiterin RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum, Eschborn, identifizierte besonders in dieser Branche ein Delta im Verständnis von Bau und IT: „Bauwirtschaft und IT sind in sich geschlossene Welten, die hochkomplexen Strukturen und Normen unterliegen. Und bislang sind diese nicht miteinander kompatibel.“ Das Ergebnis: Die Smart Home-Innovationen dringen in ihrer Funktionalität nicht in die systemische Struktur der Bauwirtschaft durch – und stoßen entsprechend bei Projektentwicklern, Planern, Architekten und Bauherren weder auf Verständnis, noch auf Nutzeneinsicht. Und das, obwohl in einer Architektenbefragung vom Mai 2016 durch BauInfoConsult, Düsseldorf, die Themen „Energieeffizienz“, „nachhaltiges Bauen“ und „Intelligente Gebäudetechnik/Smart Home“ als relevanteste Entwicklungen für die Bau- und Installationbranche 2016 identifiziert worden waren.

Juschkus Lösungsvorschläge, die sie auf der Konferenz präsentierte, sind daher so einleuchtend wie einfach: Sie plädiert erstens für die Einfachheit technischer Lösungen durch Senken der Komplexität. Smart Home müsse wie eine Black Box mit Funktionsgarantie funktionieren und an definierten Schnittstellen per „plug and play“ einsetzbar sein. Zweitens müssten diese sodann einfachen Lösungen auch einfach erklärbar sein – in der jeweiligen Sprache von „Bau“ und „Bauherr“ und gepaart mit intuitiver Bedienbarkeit in einem Universal Design. Der dritte Vorschlag betrifft die erhöhte Kompatibilität: Produktlösungen sollten so entwickelt sein, das sie fest im Gebäude installiert werden können sowie eine lange Produktlebens- und Nutzungsdauer aufweisen.

Juschkus: „Technologietransfer in die Bauwirtschaft braucht Geduld und einen langen Atem.“ Die größte Chance für Smart Home liege darin, Innovationen in am Markt bereits etablierte, komplexe Wertschöpfungsstrukturen einzubetten und die Akteure der Wertschöpfungskette – Bauherren, Architekten, Fachplaner, Energieberater, Handwerker etc. von deren Nutzen zu überzeugen. „Denn, so Juschkus weiter, „jedes Bauwerk ist ein Unikat. Es gibt wenig Chancen auf Skalen- und Erfahrungskurven-Effekte.“ Vor diesem Hintergrund müsse mehr in Kommunikation, Weiterbildung und finanzielle Förderprogramme investiert werden, um den Smart Home-Markt in Deutschland massenmarkttauglich zu gestalten.

Eine Ansicht, die widerlegt werden könnte: Gesellschaftspolitisch betrachtet haben in Deutschland eigentlich erst verbindliche Verordnungen und Gesetze zum Durchbruch von Innovationen und zur deren flächendeckenden Durchsetzung geführt – Beispiel Energiesparverordnung (EnEV) oder – auf dem Weg dahin – die Plattform Industrie 4.0.