Geheimnisse im Interview

Geheimnisse im Interview

Hamburg,  27. Januar 2017


Interview Marcus Lemli | Savills GmbH | Gesundheitsimmobilien

Healthcare-Immobilien als profitables Anlagegeschäft: Das börsennotierte Immobilien- Dienstleistungsunternehmen Savills, Frankfurt am Main, hat den Nischenmarkt von Gesundheitsunternehmen unter­sucht und will ihn in Pionierarbeit als neue Assetklasse in Deutschland positionieren.
Wirtschaftsbrief Gesundheit sprach mit dem CEO von Savills, Marcus Lemli, über Poten­tiale und Heraus­forderungen im Investmentgeschäft mit Gesundheitsimmobilien.

Das Interview führte Thordis Eckhardt.  


WIB: Herr Lemli, Sie sehen in den so genannten „Gesundheitsimmobilien“ ein profitables Anlagege­schäft für die Zukunft. Aus welchem Grund?

Marcus Lemli: Healthcare-Immobilien sind in Großbri­tan­nien und in den USA ein etablierter Markt. In Deutschland ist diese Immobilienart ein Nischen­produkt und von inländischen Investoren noch kaum als Markt identifiziert. Savills wiederum als Beratungs­un­ter­­neh­men ist stetig auf der Suche nach ver­schie­denen Anlageobjekten und neuen Inves­­titions­möglichkeiten für seine Kunden. Wir steigen daher frühzeitig in das Thema ein mit dem Ziel, Pionierarbeit auf diesem Gebiet zu leisten, neue Geschäftsfelder und Renditeoptionen zu erschließen und die Marktentwicklung zu treiben.


WIB: Als Dienstleistungsunternehmen ist Savills ein Allrounder – und kein Spezialist für Gesund­heitsimmobilien. Woher beziehen Sie Kompetenz und Know-how?

Marcus Lemli: Wir sind eine Research-Partnerschaft eingegangen mit den Frankfurter Gesund­heits­experten D&S Healthcare Consulting, Frankfurt am Main. Als Unternehmen sind Savills und D&S komplementär unterwegs: Wir als Immobilien-Dienstleister mit dem Know-how im Immobi­lien­geschäft und D&S mit seinem Kerngeschäft in der Pflege- und Healthcare-Branche. Als Einstieg in den Markt haben wir gemeinsam einen den kürzlich erschienenen Marktbericht „Pflegeimmo­bilien Deutschland 2016“ heraus­gegeben. Mit dem Analyse­bericht wollen wir Brücken hin zum Immobi­lieninvestor bauen und entsprechende Produkte anbie­ten, ohne uns dabei zum Experten aufzu­schwingen oder als Investor tätig zu werden. Unser Kerngeschäft ist die Beratung – für Eigen­tümer, Käufer und Verkäufer.  


WIB: Was genau verstehen Sie unter „Gesundheitsimmobilien“? Wie kann eine Assetklasse „Healthcare“ aussehen?

Marcus Lemli: Für Deutschland fokussieren wir für den Anfang Pflegeheime. In der Zukunft könnten Altenheime und später möglicherweise ambulante und stationäre Krankenhausbetreiber hinzukommen. Zeitlich haben wir uns nicht festgelegt.  


WIB: Ich vermisse in Ihren Aufzählung die „Medical Building Offices“ (MBO). Spielen sie in der Asstetklasse keine Rolle?

Marcus Lemli: Ja, das ist richtig. In Amerika ist dieses Anlageobjekt ein Hype. MBOs sind bei Investoren sehr beliebt und der Markt ist riesig. In Europa spielen sie bislang keine Rolle.  


WIB: Wie schätzen Sie das Marktvolumen für Gesundheitsimmobilien in Deutschland ein?

Marcus Lemli: Der Investmentmarkt für Pflegeimmobilien verzeichnete im 1. Halbjahr 2016 ein Transaktionsvolumen in Höhe von rund 750 Mio. Euro – und lag damit bereits über dem Jahreser­gebnis des Vorjahres. Bis Jahresende erwarten wir insgesamt deutlich mehr als eine Milliarde Euro.  


WIB: Welche konkreten Ziele verfolgt Savills in diesem Markt?

Marcus Lemli: Wir peilen eine Zielgröße von zehn bis 20 Prozent vom Transaktionsvolumen im Healthcare-Markt an. Die Umsätze stammen aus Verkaufsmandaten für Einrichtungen oder aus Beratungsleistungen von Käufern, die Objekte erwerben.


WIB: Welche Investoren sind Ihrer Meinung nach an Gesundheitsimmobilien interessiert?

Marcus Lemli: Der Markt ist eindeutig von ausländischen Investoren geprägt – und das wird vorerst auch so bleiben. Der Anteil ausländi­scher Käufer für Pflegeimmobilien in Deutschland lag beispielsweise in der ersten Jahreshälfte 2016 bei 58 Pro­zent. Im Vergleich: Im Gesamtjahr 2015 betrug ihr Anteil lediglich 14 Prozent. Das Geschäft wird vor allem von Investoren aus Großbritan­nien und den USA bestimmt. Sie besitzen Erfahrungen auf diesem Gebiet, ihre Inves­­titionsent­schei­dungen sind davon getrieben, Märkte auszuweiten, Neuland zu betreten und Risiken einzu­gehen. Es steckt aber noch eine weitere Logik dahinter: Nischenmärkte bergen hohe Ren­diten. Es sind kleine Märkte mit wenig Transparenz und geringer Liquidität, was wiederum zu größeren Risikoaufschlä­gen und folglich zu höheren Renditen führt. Aus unserer Sicht birgt der Markt für Gesundheitsimmobilien durchaus Potential und wird sich in den kommenden Jahren gut entwickeln. Aber der Weg ist noch sehr, sehr lang.  


WIB: Herr Lemli, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Bild: Savills