Geheimnisse im Interview

Geheimnisse im Interview

Haßfurt,  03. August 2016


Interview Jan Peter Tewes | Uponor GmbH | Strategische Neuausrichtung

Die Uponor GmbH, Anbieter von Produkten für die Bereiche Trinkwasserinstallation, Heizen und Kühlen, Haßfurt, arbeitet am Turnaround - und stellt sich im Bereich Lösungen und Vertrieb neu auf. Geplant ist ein Wachstum durch Neuausrichtung und Investitionen in Zukunftstechnologien.

Wirtschaftsbrief Gesundheit
sprach mit dem Geschäftsführer des Unternehmens, Jan Peter Tewes. Das Interview führte: Thordis Eckhardt.



WIB: Herr Tewes, Uponor arbeitet an einer strategischen Neuausrichtung. Warum?  

Jan Peter Tewes: Uponor hat im vergangenen Jahr ein umfangreiches Transformationsprogramm aufgelegt, um in den Kernmärkten in Europa wieder ein profitables Wachstum zu generieren. Hier waren wir in den vergangenen Jahren aus verschiedensten Gründen mit einem langfristigen Trend abnehmender Umsätze und Profitabilität konfrontiert. Diesen Trend wollen wir wieder umkehren. Im Mittelpunkt steht dabei, die eigene Strategie zu schärfen, agile Organisationsstrukturen zu schaffen, das Produktportfolio zu Lösungen zusammenzuführen und wichtige Kernmärkte intensiver zu besetzen. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen zum Geschäftsverlauf des ersten Halbjahres 2016 zeigen, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.


WIB: Wie sehen Ihre kurz- und mittelfristigen strategischen Ziele in Deutschland und in Europa aus?

Jan Peter Tewes: Der Markt für Gebäudetechnik in Europa bleibt attraktiv. Der Immobilienmarkt wächst solide, Einwanderung und Urbanisierung verstärken diesen Trend. Dazu kommt, dass die aktuellen Gesetzgebungen und Verordnungen Premiumlösungen in der Gebäudetechnik fördern. An diesen Entwicklungen wollen wir durch unsere strategische Neuausrichtung stärker partizipieren.  

Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass wir uns vom Produkthersteller zum Lösungsanbieter weiterentwickeln. Bislang hatte Uponor vor allem im Bereich Trinkwasserhygiene eher ein breites Angebot an individuellen Produkten und Komponenten im Portfolio, das wir jetzt gezielt zu Lösungen für unterschiedliche Gebäudetypen bündeln, inklusive entsprechender Services von der Planung bis hin zur Kontrolle. Im Bereich Gebäudetemperierung haben wir diesen Schritt bereits vor einiger Zeit getan und sind bei Planern, Generalunternehmern und Betreibern inzwischen als Lösungsanbieter etabliert. Dieser kompetente Partner wollen wir auch im Bereich Trinkwasser werden.  

Vertrieblich werden wir uns stärker auf Ballungszentren ausrichten und dort entsprechende Ressourcen aufbauen. Durch den Gesamtlösungsansatz für unterschiedliche Gebäudetypen rücken zudem neue Entscheidergruppen wie Investoren und Betreiber im Bereich Health Care oder Hotels noch stärker in den Fokus, die wir unter anderem durch ein modernes Key Account Management betreuen werden. Nicht zuletzt wird die Vorplanung und Vorfertigung für das Projektgeschäft ein wichtiges Thema werden.  


WIB: Aus welchem Grund haben Sie sich für ein anorganisches Unternehmens-Wachstum entschieden?

Jan Peter Tewes: Mit anorganischem Wachstum sprechen Sie sicherlich die in den vergangenen Monaten bekannt gegebenen Übernahmen der KaMo Unternehmensgruppe, der Delta Systemtechnik und von UWater an, sowie das kürzlich erfolgte Joint-Venture Unternehmen Phyn, das wir zusammen mit Belkin ins Leben gerufen haben.

Das Ziel dabei war es nicht, ein anorganisches Wachstum zu schaffen, sondern unsere Kompetenz im Bereich Trinkwasser systematisch weiter auszubauen. Mit Delta und KaMo haben wir unser Portfolio gezielt um Komponenten für die Warmwasserbereitung, den Wasseraustausch sowie das Monitoring ergänzt. Damit sind wir bereits heute in der Lage, für praktisch alle Gebäudetypen Gesamtlösungen anzubieten, mit denen sich die aktuellen Anforderungen an die Trinkwasserhygiene einfach und sicher erfüllen lassen. Mit UWater und Phyn arbeiten wir zusätzlich bereits heute an den Zukunftstechnologien für morgen, die für eine noch höhere Qualität und Sicherheit im Bereich Trinkwasser sorgen. Damit schaffen wir schrittweise die Basis für ein organisches Wachstum als Gesamtlösungsanbieter.


WIB: Inwieweit ist Uponor offen für System-Partnerschaften mit Dritten? Welche Branchen und Kompetenzen sehen Sie als Ergänzung zu Ihrem Kerngeschäft an?

Jan Peter Tewes: Uponor ist hier grundsätzlich sehr offen. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass die gute Zusammenarbeit mit wichtigen Marktpartnern seit langem gelebte Praxis ist, um gemeinsam Entwicklungen voranzutreiben und den Kunden bestmögliche und aufeinander abgestimmte Lösungen zu bieten. Als Beispiel seien hier die Unternehmen Stiebel Eltron und Knauf genannt, mit denen uns seit Jahren eine strategische Partnerschaft verbindet.

Überall dort, wo Gewerke ineinander greifen, macht es auf jeden Fall Sinn, dass die Marktpartner eng miteinander kooperieren. Davon profitiert nicht nur die Industrie, sondern vor allem der Kunde. Zusammen mit Grünbeck Wasseraufbereitung und Hansa Armaturen engagieren wir uns seit Kurzem auch in der Initiative „Partner für Wasser“, deren Ziel es ist, im Health Care Bereich über Anforderungen und Maßnahmen für eine optimale Trinkwasserqualität aufzuklären und zu beraten.  


WIB: Welche Zielgruppen und Branchen avisieren Sie aktuell und für die Zukunft?

Jan Peter Tewes: Wir kommen aus dem klassischen Distributionsgeschäft, das über den Großhandel und den Fachinstallateur abgewickelt wird. Daran halten wir auch in Zukunft fest und wollen dort gemeinsam mit unseren Top-Kunden weiter wachsen. Neben dem Markt für Einfamilienhäuser setzen wir mittelfristig aber auch immer stärker auf ein Wachstum im Markt für größere Bauprojekte, dem so genannten Projektgeschäft. Dazu zählen wir unter anderem den Geschosswohnungsbau, Hotels, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime oder Büro- und Industriebauten.

Gerade dort werden die Anforderungen an Energieeffizienz und Hygiene immer höher, die Pflichten von Investoren und Betreibern immer umfangreicher und es sind zunehmend Gesamtlösungen gefragt, die wir als Unternehmen bieten können. Mit Blick auf die Zukunft werden sicherlich die Themen Digitalisierung und Servicemodelle wichtige Treiber.  


WIB: Welche Rolle spielt Uponor als Lösungsanbieter in der Gesundheitswirtschaft heute und in der Zukunft?   

Jan Peter Tewes: Im Bereich Heizen und Kühlen haben wir hier bereits zahlreiche Projekte erfolgreich abgewickelt - national wie international. Unsere Lösungen arbeiten sehr energieeffizient, verschwinden unsichtbar in der Gebäudestruktur und sorgen für ein ganzjährig angenehmes und vor allem gesundes Raumklima ohne Staubaufwirbelungen. Uponor hat sich hier beispielsweise auch an der Initiative Green Hospital der Asklepios Kliniken beteiligt und seine Expertise eingebracht, wie die Raumtemperierung der Zukunft im sensiblen Krankenhausbereich umgesetzt werden sollte. Daneben sind wir schon heute Mitglied in der Fachvereinigung Krankenhaustechnik e. V..

Klares Ziel von Uponor für die Zukunft ist es, sich in der Gesundheitswirtschaft auch im Bereich Trinkwasserhygiene als Lösungsanbieter zu etablieren. Zudem wollen wir unser Netzwerk erweitern und noch enger an die Entscheider kommen. Der Bereich Health Care, und hier insbesondere der Sektor Alten-und Pflegeheime, bietet aufgrund des demographischen Wandels ein großes Zukunftspotenzial für unsere Geschäftsaktivitäten.    


WIB: Stichwort Smart Building: Inwieweit lassen sich Uponor-Produkte heute schon technisch vernetzen und im Rahmen des „Internet of Things“ (IoT) steuern? 

Jan Peter Tewes: Wir bieten schon heute Systeme an, die sich in moderne Bus-Technologien einbinden lassen, und auch Applikationen, die sich über Apps steuern lassen. Wirklich spannend werden allerdings die Zukunftstechnologien zur intelligenten Steuerung und Überwachung des Wasserkreislaufs in Gebäuden, an denen wir derzeit arbeiten. Im Rahmen des Internet der Dinge soll hier Leckagen präventiv vorgebeugt und damit der Wasserverbrauch reduziert werden.

Noch einen Schritt weiter gehen wir mit einer Technologie zum Online-Monitoring der Trinkwasserqualität in Echtzeit. Sensoren erfassen hier permanent die Konzentration von Partikeln und Mikroben, sodass bei erhöhten Messwerten im Rahmen eines Frühwarnsystems sehr schnell reagiert werden kann.


WIB: Der deutsche Markt verlangt nach energetischen Gesamtkonzepten: Wie sehen Ihre Pläne für energieeffiziente Lösungen der Zukunft aus?
 

Jan Peter Tewes: Auch wenn es vielleicht etwas verwegen klingen mag: Diese Gesamtkonzepte der Zukunft haben wir aus unserer Sicht bereits. Zusammen mit unserem Tochterunternehmen Zent-Frenger bieten wir integrierte Lösungen zur Gebäudetemperierung aus einer Hand: von der Energiegewinnung mit erneuerbaren Energien bis hin zur Energieverteilung und Regelung im Gebäude - energieeffizient, nachhaltig, mit niedrigen Betriebskosten und nahezu wartungsfrei. Die Herausforderung liegt für uns eher darin, diese Konzepte von Leuchtturmprojekten in eine breitere Masse zu bringen. Auch deswegen ist es uns wichtig, zukünftig noch näher an die Projektentscheider zu kommen.


WIB: Herr Tewes, wir danken Ihnen für das Interview.