Pflege, Reha & Soziales

Forschung & Entwicklung

Witten/Herdecke,  03. November 2015


Studie identifiziert schlechtere Pflege-Qualitätswerte in profitorientierten Heimen

Kernthesen der aktuell veröffentlichten Studie "Trade-off Between Quality, Price, and Profit Orientation in Germany's Nursing Homes" der Forschergruppe um Prof. Dr. Max Geraedts, Gesundheits-Systemforscher an der Universität Witten/Herdecke postulieren, dass profitorientierte Pflegeheime in Deutschland im Vergleich zu Nicht-profitorientierten Pflegeheimen insgesamt eine geringere Qualität bieten.

Die Untersuchungen der statistischen Werte belegen demnach, dass die profitorientierten Pflegeheime im unteren Preissegment schlechter pflegen als die nicht-profitorientierten Einrichtungen. Im obersten Preissegment unterschieden sich die Pflegeheime hinsichtlich der Profitorientierung jedoch kaum.

In der Konsequenz der Ergebnisse betont Geraedts: „Wir haben in der Studie statistische Werte verglichen, wir behaupten nicht, dass die Unterschiede in der Pflege durch die Profitorientierung entstehen!“

Ein Teil der Unterschiede lasse sich dadurch erklären, dass privat betriebene Pflegeheime durchschnittlich geringere Preise verlangen und die Qualität der Pflegeheime eben sehr deutlich mit deren Preis zusammenhänge. Außerdem müssten solche Träger den Bau der Gebäude meist selber stemmen und dabei Gewinn erwirtschaften. Altenheime von Kirchen oder anderen Trägern müssten diese Ausgaben zumeist nicht selber tragen.

Im Detail identifizierten die Forscher folgenden Zusammenhänge: Wird der Pflegesatz der untersuchten Häuser in fünf gleiche Teile geteilt, dann liegen in den günstigsten beiden Teilen 69 Prozent der profitorientierten, aber nur knapp 20% der nicht-profitorientierten Pflegeheime. In den „Kerndisziplinen“ wie Pflegeprozesse, Betreuungsprozesse, Qualitätsmanagement und Einrichtungsstruktur schneiden die profitorientierten Pflegeheime unabhängig vom Preis der Einrichtung schlechter ab als die Nicht-profitorientierten Pflegeheime.

Dagegen existieren zwischen der Dokumentationsqualität sowie den Versorgungsergebnissen einerseits und der Profitorientierung der Einrichtungen andererseits keine Zusammenhänge, wenn der Preis der Pflegeheime gleichzeitig in Betracht gezogen wird.

Die Forscher empfehlen: „Insbesondere bei profitorientierten Pflegeheimen lohnt es sich, ein Pflegeheim auszuwählen, das einer höheren Preiskategorie angehört. Dagegen spielt bei Nicht-profitorientierten Pflegeheimen der Preis der Einrichtung nur eine untergeordnete Rolle. Hier sind schon in der untersten Preiskategorie viele Pflegeheime zu finden, die eine Qualität auf höchstem Niveau bieten.“
In Deutschland solle daher wie in den USA Angaben zur Profitorientierung der Einrichtung zwingend vorgeschrieben werden, schlägt Geraedts vor. 

Für die Studie haben die Autoren die Daten der gesetzlich festgelegten Qualitätsprüfung des medizinischen Dienstes von mehr als 10.000 Altenheimen der Jahre 2011 und 2012 ausgewertet. Deren Aussagekraft wird zwar vielfach hinterfragt, jedoch lässt die Konsistenz der Ergebnisse den Zusammenhang ausreichend sicher interpretieren. „Man kann am Sinn dieser Überprüfung an vielen Stellen sicher zweifeln. Aber sie wird einheitlich für alle Träger durchgeführt und bietet daher einheitliche Daten.“