Pflege, Reha & Soziales

Forschung & Entwicklung

Oberhausen,  23. September 2016


Projekt Silverlighting untersucht Einfluss von Licht auf Demenzerkrankte

Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, kurz: Umsicht, erforscht gemeinsam mit Partnern im Rahmen des Projekts Silverlighting den Einfluss von zirkadianem Licht auf das Wohlbefinden von an Demenz erkrankten Menschen. Ziel ist es unter anderem, die innere Unruhe der Bewohner mithilfe eines an die Tages- und Nachtzeit angepassten Lichtverlaufs zu dämpfen.

Kürzlich nun haben die Praxisstudien für ein biodynamisches Beleuchtungssystem in einer Wohngemeinschaft demenzerkrankter Menschen der Alpha gGmbH in Duisburg begonnen. Heike Perszewski, Geschäftsführung Alpha und Partner des Projektes: "Um die Lebensqualität unserer Bewohner bestmöglich zu gestalten, arbeiten wir bereits mit vielen technischen Assistenzsystemen. In einer Kleinstudie haben wir uns auch schon mit dem Einfluss von Licht auf die Bewohner beschäftigt – mit positivem Ergebnis."

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF im Programm "KMU-innovativ" gefördertem Verbundprojekt, an dem neben Fraunhofer Umsicht die Hochschule Ruhr West, Mülheim a. d. R., die lichtraumstadtplanung GmbH, Wuppertal, sowie die Alpha gGmbH, Duisburg, beteiligt sind, wird ein neues dynamisches Beleuchtungssystem entwickelt, das den Tagesverlauf des Sonnenlichts nachbildet - dem sogenannten zirkadianem Licht. Auf diese Weise soll insbesondere der Schlaf-Wach-Rhythmus von an Demenz Erkrankten unterstützt werden. "Symptome wie die innere Unruhe gilt es zu dämpfen. Vielleicht bewirkt eine ausreichend innere Ruhe, dass letztlich weniger Medikamente eingenommen werden müssen, aber das primäre Ziel ist im Ganzen ein höheres Wohlbefinden zu erreichen", erklärt Projektleiter André Reinecke, Gruppe Anwendungsentwicklung bei Fraunhofer Umsicht.

Länger in der eigenen Wohnung verbleiben

Das Besondere an Silverlighting ist der mobile Einsatz des Systems, wodurch ein längerer Verbleib in der eigenen Wohnung ermöglicht werden soll. Spezielle LEDs beleuchten einen Raum mit der für die jeweilige Tages- und Jahreszeit optimalen Lichtfarbe. Eine intelligente Steuerung und Sensorik agiert unauffällig im Hintergrund. Und so könnte ein künftiges Lichtszenario aussehen: Morgens wird die Lichtintensität ähnlich des Sonnenaufgangs langsam mit einem hohen Blauanteil erhöht, tagsüber je nach Wetterlage und Ruhezeit reguliert, abends wird die Dämmerung mit einem hohen Rotanteil und nachlassender Lichtintensität simuliert. Zusätzlich werden auch spezifische Lichtsituationen, beispielsweise für Gruppenaktivitäten oder den nächtlichen Toilettengang, definiert und mittels Sensorik im Hintergrund gesteuert.

Regelung und Steuerung

Fraunhofer Umsicht ist im Rahmen des Teilvorhabens Silver-Regelung für die Entwicklung und Umsetzung der Arbeiten im Bereich Regelung und Steuerung zuständig. Die Forscher entwerfen eine Komponente, die Sensordaten und manuelle Eingaben des betreuenden Personals für die Ansteuerung des Lichts verarbeitet. Dazu gehört unter anderem eine ergonomisch gestaltete Softwareanwendung für die vereinfachte Dateneingabe. Bestimmte Tätigkeiten und Szenarien innerhalb der Wohnung, beispielsweise der Einsatz von Leselampen, verlangen eine direkte, spontan reagierende Steuerung.

Die Hochschule Ruhr West wiederum arbeitet an diesem Part und entwickelt "intelligente Lampen", die über eine eigene Sensorik und einen eigenen Kleinstrechner verfügen. Erste Prototypen des Systems werden zunächst in stationären Pflegeeinrichtungen installiert, bevor die Wirkung des zirkadianen Lichts in einem nächsten Schritt im persönlichen Umfeld zu Hause getestet wird. Es ist geplant, die Daten zum Wohlbefinden der Testpersonen nach standardisierten Verfahren unter anderem per App zu erfassen.