Pflege, Reha & Soziales

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Berlin,  25. Mai 2018


Pflege 4.0: die Realität ist noch weit vom Postulat entfernt

Eindeutige Fakten: Die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime ist im Vergleich zu der der Krankenhäuser relativ gut: Nur zwei Prozent der von Deloitte analysierten Pflegeheime besaßen eine erhöhte Insolvenzgefahr. Bei den Krankenhäusern liegt die Insolvenzwahrscheinlichkeit aktuell bei rund elf Prozent.

Soweit die ökonomischen Fakten. Technologisch betrachtet kehrt sich das Verhältnis im Bereich Digitalisierung um: Während diese in Kliniken schrittweise voranschreitet, steht die Pflegebranche noch am Anfang der Entwicklung – von der Pflege 4.0 sind die Einrichtungen im operativen Geschäft meilenweit entfernt.

Die Broschüre „Digitalisierung in der Pflege“ der Offensive Gesund Pflegen und der BG Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) kommt zu der Erkenntnis, dass zur Verankerung digitaler Technologien in der Pflege vor allem eine frühzeitige Einbindung professionell Pflegender bei der Technikentwicklung notwendig ist. Diese müssen aktiv in Forschung, Entwicklung und Einführung einbezogen werden und sich als Treiber des Prozesses verstehen. Relevant sei es, so die Autoren, eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Verständnis zu finden: „Bei der Digitalisierung in der Pflege treffen unterschiedliche Fachrichtungen und Tätigkeitsfelder aufeinander: Die Pflegewissenschaften begegnen dem Maschinenbau, die Informatik der Ethik und die Automatisierungstechnik den Rechtswissenschaften. Im günstigsten Fall entstehen dann praxistaugliche Lösungen für die Pflege.“ Dafür muss auch branchenintern vorgearbeitet werden: Zuvorderst stehen die Informations- und Technikvermittlung in der Ausbildung und in den Einrichtungen, Berührungsängste müssten abgebaut und Pflegende mit der Nutzung der Systeme im Arbeitsalltag vertraut gemacht werden.