Pflege, Reha & Soziales

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Hamburg,  07. August 2018


Mut zum unternehmerischen Risiko: Digitalisierung schafft logistische Freiräume für Patientenkontakte

Experten in der Gesundheitswirtschaft müssen von berufsfremden Tätigkeiten entlastet und Arbeitsprozesse konsequent strukturiert werden. Das ist die zentrale Forderung von Gesundheitsunternehmer und Präsident des branchenübergreifenden Gesundheitswirtschaftskongresses, Prof. Heinz Lohmann, in Bezug auf die Zukunft der Healthcare-Branche in Deutschland.  


Ein Gastbeitrag von: Prof. Heinz Lohmann*
 

Es wird reguliert was das Zeug hält. Der Staat ist wieder auf dem Vormarsch. Warum nur? Ein Grund ist, dass die Spitzenkräfte in den Gesundheitsunternehmen nicht durch übermäßige unternehmerische Aktivitäten bei der Lösung der brennenden Fragen aufgefallen sind. Ganz im Gegenteil, viel zu häufig wird auf die Politik geschielt und von dort Hilfe erwartet, ja erfleht. Wer allerdings den Staat zum Handeln animiert, darf sich hinterher nicht beschweren, wenn die eigenen Spielräume kleiner werden. Und der Patient? Er emanzipiert sich immer ein wenig mehr von den viel zu sehr mit sich selbst beschäftigten Akteuren.

Darin liegt eine große Chance. Wer das in der Gesundheitswirtschaft zuerst erkennt und sich auf seine Interessen konzentriert, wird letztlich erfolgreich sein. Auch für die Politik geht es darum, die Patienten als Konsumenten ernst zu nehmen und das Gesundheitssystem auf ihre Belange auszurichten. Zurück in die Vergangenheit ist keine Option. Mutige Schritte in die Zukunft sind gefragt.

Die Digitalisierung erfordert unternehmerisches Management. Die vorhandenen Experten müssen unterstützt werden, indem wir sie von berufsfremden Tätigkeiten entlasten. So müssen Pflegekräfte die Chance bekommen, das zu tun, weshalb sie ihren Beruf ergriffen haben, nämlich, die Patienten zu betreuen. Das Motto muss lauten, „heilen statt faxen“. Dazu müssen endlich die Arbeitsprozesse konsequent strukturiert werden. Das ist die zwingende Voraussetzung dafür, moderne Methoden und Technologien nutzen zu können, wie sie in anderen Berufen längst zum Einsatz kommen. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, den Herausforderungen auch in der Gesundheitsbranche zu trotzen. So kann es gelingen, die diagnostisch und therapeutisch Tätigen zu befreien von Dokumentations- und Logistikverrichtungen und sie im direkten Patientenkontakt einzusetzen. Krankenhausunternehmen, die diesen Weg beschreiten, müssen im Wettbewerb der Anbieter Vorteile generieren und deshalb wachsen können. Die Politik muss die innovativen Akteure der Gesundheitswirtschaft durch mehr Wettbewerb unter dem Motto: „Modernisierung vor Regulierung“ nachhaltig befördern.

Die vor uns liegenden gesellschaftlichen Herausforderungen können nur gelöst werden, wenn die Gesundheitsbetriebe von unternehmerisch geprägten Managern geführt werden, die in einer staatlich bestimmten, den wirtschaftlichen Rahmen für alle Akteure gleichermaßen vorgebenden, Marktordnung agieren.

Das Programm des 14. Gesundheitswirtschaftskongresses am 19. und 20. September 2018 in Hamburg spiegelt genau diese Ideen wider: 800 Spitzenvertreter aus allen Bereichen der Branche, aus Politik und Verbänden diskutieren diese Herausforderungen und formulieren das Programm zur Modernisierung der Gesundheitswirtschaft. * Gastbeiträge spiegeln nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.


Bild: Gesundheitswirtschaftskongress