Pflege, Reha & Soziales

Technologien & Anwendungen

Witten/Herdecke,  11. Juni 2015


Multiprofessioneller Studiengang „Versorgung von Menschen mit Demenz“

Einzigartig: An der Universität Witten/Herdecke startet zum Wintersemester 2015 der zweite multiprofessionelle Master-Studiengang zur Versorgung von Menschen mit Demenz. Das berufsbegleitende, sechssemestrige Studium richtet sich an Beschäftigte in der Pflege, speziell aber auch an Stadtplaner, Architekten, Technikentwickler, Versicherungsangestellte und Mediziner. Die Robert Boschstiftung fördert die Teilnehmer durch die Vergabe von Stipendien. Die erste Runde zum Aufnahmeverfahren und für die Vergabe der Stipendien beginnt am 31. Juli 2015.

Der branchenübergreifende Studienansatz hat zum Ziel, die Versorgung von Menschen mit Demenz in der Zukunft ganzheitlich anzugehen und eine optimale Wohnumfeld-Entwicklung und multiprofessionelle Betreuung durch generalisiert ausgebildete Profis zu gewährleisten. In insgesamt elf Modulen werden unter anderem die individuelle Auswirkung dementieller Prozesse auf die betroffenen Menschen und ihren Familien beleuchtet, Gestaltungsmöglichkeiten von Lebensräumen erörtet und Wissen über die Vermittlung und Entwicklung von unterschiedlichen Versorgungs- und Therapieangeboten vermittelt. Themenschwerpunkte sind ferner rechtliche Voraussetzungen und Erfordernisse der Gesetzgebung sowie Aufgaben von Kommunen, Kosten- und Leistungsträger.

Den praktischen Bezug stellt ein von den Teilnehmern gemeinsam bearbeitetes multiprofessionelles Projekt dar, in dem die Sichtweisen und Aufgaben unterschiedlicher Berufsgruppen eingenommen und in einer wissenschaftlich begleiteten Laborsituation angewandt werden:

Die Architektur-Sicht
befasst sich mit der Planung differenzierter Lebensräume, die über die Barrierefreiheit hinaus das Wohnen, Leben und die Pflege erleichtern. Die Lebensräume können stimulieren oder beruhigend sein, sie können dem Bewegungsdrang nachkommen oder das Zuhause-Gefühl fördern.

Aus der Sicht von Ingenieuren geht es um die Entwicklung technischer Unterstützungssysteme, die unmittelbar den Betroffenen wie auch den Pflege- und Betreuungspersonen zugute kommen.

Aus dem Blickwinkel von Ökonomen, Juristen und Verwaltungsspezialisten betrachtet, geht es um die Realisierbarkeit neuer Versorgungskonzepte. Sie werden den lokalen und kommunalen Bedarfen angepasst und in das Leistungsrecht integriert. Geprüft werden auch arbeits- oder haftungsrechtliche Konsequenzen.

Ein wichtiges Bindeglied zwischen den Professionen stellen die Haushaltswissenschaften dar, die mit ihrem speziellen Blick die Arbeit mit und für die Betroffenen beeinflussen.

Therapeutisch arbeitende Berufsgruppen wie Physio-, Ergo- und Logotherapeuten wiederum stehen im Mittelpunkt der Bewältigung täglicher Pflege- und Versorgungsleistungen. Sie erstellen individuelle Hilfe- und Unterstützungspläne und füllen sie mit Leben. Für den Fall von psychischen Belastungen oder beim Auftreten ethischer Konflikte bedarf es wiederum der Unterstützung von Psychologen und Seelsorgern.

Hintergrund: Die Versorgung von Demenz-Patienten wird in Zukunft nicht mehr allein von Ärzten und Pflegenden zu leisten sein. Es geht darum, wie Demenz-Patienten im Stadtviertel leben und wie Läden und Nachbarschaften in die Versorgung einbezogen werden können. Um hier neue Ideen zu entwickeln, muss das Wissen unterschiedlicher Berufsgruppen gebündelt werden.

 

Bilder: Uni Witten / Herdecke