Pflege, Reha & Soziales

Forschung & Entwicklung

München,  19. März 2019


Länder-Studie: „Deutschland ist in der Pflege zunehmend isoliert.“

Die Pflege in Deutschland ist wissenschaftlich mittlerweile gut durchleuchtet. Im Ländervergleich jedoch belegt Deutschland hintere Plätze. Die Gründe hierfür liegen nahezu studienübergreifend in den politischen, berufs- und bildungsrechtlichen Rahmenbedingungen und Sonderwegen. Sie hemmen die Umsetzung einer spürbar verbesserten Versorgungsstruktur und -qualität. Während die Branche im Land auf ein systemisches Umdenken drängt, zeigen Länder wie Großbritannien, Kanada, Schweden oder die Niederlande innovative Ansätze auf – und realisieren sie lösungsorientiert.

Beispiele zur Umsetzung innovativer Pflegesysteme finden sich in der im Januar 2019 veröffentlichten Pinal-Studie „Pflege in anderen Ländern – Vom Ausland lernen?“ der Stiftung Münch in Zusammenarbeit mit dem Forscherteam um Michael Ewers, Direktor des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Charité. Sein Fazit: „Anders als in Deutschland finden sich als Lösungsansätze mehr Investitionen in die hochschulische Aus- und Weiterbildung von Pflegefachpersonen, Maßnahmen zur Stärkung der Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Pflege sowie die Erweiterung pflegerischer Aufgaben- und Verantwortungsbereiche.“

In Großbritannien, Schweden, den Niederlanden und Kanada beispielsweise ist die Aus- und Weiterbildung von Pflegenden in den regulären Bildungsstrukturen verortet – und eine klare politische Rahmensetzung zur Erhöhung ihrer Kapazität und Qualität erkennbar. In Deutschland hingegen nimmt Pflegebildung eine berufs- und bildungsrechtliche Sonderstellung ein: Sie findet in den meisten Bundesländern an "Schulen besonderer Art" statt und unterliegt meist nicht dem Schulrecht der Länder. Die Pflegeausbildung ist entsprechend benachteiligt hinsichtlich Finanzierung, Ausstattung und Qualifikation des Lehrpersonals.

In den untersuchten Ländern indes werden innovative Wege in der pflegerischen Versorgung eingeschlagen: So setzt Großbritannien auf eine personenzentrierte Praxis – und hat Nutzer und Leistungserbringer im Blick. Mit dem Care Home Innovation Centre (CHIC) wurde unter anderem ein pflegerisches Innovationszentrum gegründet, das Studierende unterschiedlicher Gesundheits-Fachrichtungen interprofessionelle Expertise vermittelt. Schweden wiederum führte schon im Jahr 2006 über die Website 1177 Vardguiden des Gesundheitsamtes Pflegesprechstunden in der Primärversorgung ein und treibt die digital unterstützte Förderung der Gesundheitskompetenz voran.

Für Deutschlands Pflegeversorgung leitet Ewers vier Empfehlungen ab: Stärkung der Selbstorganisation und professionellen Autonomie der Pflege, Differenzierung der Pflegebildung und Modernisierung der Aufgabenprofile, Förderung der personenzentrierten Versorgung, Praxisentwicklung und Techniknutzung sowie Weiterentwicklung.