Pflege, Reha & Soziales

Exklusive Interviews

Homburg,  12. Dezember 2017


Interview Wolfgang Klein | Universitätklinikum des Saarlandes | Pflegekräfte

Neue Wege in der Sicherung der Patientenversorgung durch Pflegekräfte: Das Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes, kurz: UKS, investiert in den Aufbau eines flexiblen Stellen-Pools für den Pflegedienst – und erhöht somit die Kapazitäten zum regulären Stellenplan. Für das Modellprojekt hat das UKS nun eine Anschubfinanzierung in Höhe von 300.000 Euro vom Sozialministerium des Landes erhalten.

Wirtschaftsbrief Gesundheit sprach mit dem Pflegedirektor des UKS, Wolfgang Klein, über die Bedeutung des Mitarbeiter-Pools und den Weg der Umsetzung. Das Interview führte: Thordis Eckhardt  


WIB: Herr Klein, was konkret umfasst das neue Mitarbeitermodell „Pflegepool“?

Wolfgang Klein: Wir sind mit dem Pilotprojekt in unserem Chirurgischen Zentrum gestartet. Es soll uns ermöglichen, die Ausfallkompensation zu optimieren. Übliche Personalausfälle sind in den Stellenplänen mit eingerechnet. Zur Abdeckung von außergewöhnlichen Bedarfsspitzen und Ausfällen haben wir berechnet, dass in einem flexiblen Einsatzmodell zusätzlich sechs Vollzeitkräfte notwendig sind; aufgeteilt unter ca. zehn Beschäftigten. Bis April 2018 möchten wir die Stellen realisieren und dann den Erfolg im Herbst validieren. Bis dahin arbeiten wir an den Planungen einer Ausweitung auf die weiteren fünf Zentren, die unserer Meinung nach einer ähnlichen Struktur bedürfen. Im besten Fall können wir nachweisen, dass dieser Pool sich aus der Vermeidung von Überstunden und von Erlösausfällen bzw. aus Erlössteigerungen gegenfinanziert und die Versorgung verbessert. Die Anschubfinanzierung war dennoch notwendig, um die Mitarbeiter extrabudgetär zusätzlich für den Start einstellen zu können.  


WIB: Wie viele Pflegekräfte sind am UKS beschäftigt und warum ist das heute nicht mehr ausreichend?

Klein: Bei uns sind rund 1.150 Pflegekräfte im stationären Bereich in rund 70 Stationen beschäftigt. Das Thema ist vielschichtig und auf jeder Station anders gelagert. Sicher ist seit der Einführung der DRGs eine ökonomische Personalisierung in der Krankenhauslandschaft notwendig geworden, die primär von einem Stellenabbau begleitet war. Heutzutage krankt die Personalisierung aber weniger an den Stellenplänen als an der Möglichkeit, vorhandene Stellen mit qualifiziertem Personal besetzen zu können. Daneben hat die Belastung des Personals durch Fallzahlsteigerung, Liegedauerverkürzung und demographisch bedingte Schweregradsteigerung bzw. Multimorbidität, zugenommen.  


WIB: Werden die Mitarbeiter fest angestellt sein?

Klein: Die Mitarbeiter werden fest angestellt. Selbst bei negativer Evaluation haben wir genügend freie Stellen, um die Mitarbeiter weiterbeschäftigen zu können. 


WIB: Wie konkret gehen Sie anschließend bei der Planung der Arbeitszeiten vor?

Klein: Die Mitarbeiter werden im Dienstplanprogramm – wir arbeiten hier mit dem OC-Planer von Orbis – in einer virtuellen Station abgebildet und nach Absprache mit ihrer Wunschdienstplanung fest eingeteilt. Auf diese Weise wird eine Abdeckung der Schichten gewährleistet. Den Einsatzort erfahren die Mitarbeiter nach Absprache; entweder ab 14 Uhr am Vortag bis hin zu spontan bei Arbeitsaufnahme. Der Bedarf wird in der Anfangsphase durch die Pflegedienstleitung noch über ein Formularwesen ermittelt, eine IT-Lösung ist aber schon in Arbeit.  


WIB: Der Pool ist aktuell für die Pflege vorgesehen. Wird es einen Pool für andere Abteilungen geben?

Klein: In Planung ist auch ein Pool für den OP und für die Intensivpflege.  


WIB: Auf wessen Idee beruht das Modellprojekt?

Klein: Wie viele Ideen ist auch diese nicht wirklich neu und wird schon seit Jahren diskutiert, auch andernorts. Es gibt Projekte, die schon in anderen Kliniken gelaufen sind, genauso wie Projekte, die wieder eingestellt wurden oder auch Poollösungen, die bedarfsgerecht an anderen Kliniken laufen; die meisten davon aus den Kapazitäten des vorhandenen Personals. Die Bereitschaft der Politik, durch eine Anschubfinanzierung das Projekt nach vorne zu bringen, hat bei uns am UKS eine extrabudgetäre Lösung möglich gemacht.  


WIB: Herr Klein, wir danken Ihnen für das Interview.


Bild: @ UKS