Pflege, Reha & Soziales

Exklusive Interviews

Villingen-Schwenningen,  30. November 2016


Interview Michael Doser | Herbert Waldmann GmbH & Co.KG | Energie-Effizienz

Die neue Energiesparverordnung (EnEV) hat Anforderungen und Standards an Neubauten angehoben. Die Regelungen betreffen nicht nur Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, sondern auch Bauten der Gesundheitsbranche. Während sich Krankenhäuser und Kliniken bereits seit Längerem mit Produkten, Techniken und Lösungen zur Energiekostenoptimierung beschäftigen, steht die Pflegebranche größtenteils vor Neuland.

Wirtschaftsbrief Gesundheit
hat beim Leuchtenhersteller Herbert Waldmann GmbH & Co. KG, Villingen-Schwenningen, nachfragt, wie der Status Quo bei Pflegeeinrichtungen aussieht und in welchen Bereichen nachhaltige und kostengünstige Energiekostenoptimierungen möglich sind.

Das Interview führte: Thordis Eckhardt. 


WIB: Herr Doser, was kennzeichnet eine gute Beleuchtung?

Michael Doser: Eine gute Beleuchtung erkennt man daran, dass sie einfach nicht auffällt. Der Nutzer sieht, was er sehen muss und sehen will. Entsprechend sollten Licht, Lichtverteilung und Schatten in Einrichtungen und Räumen gezielt eingesetzt werden. Bei älteren Menschen oder Menschen mit Seh-Defiziten beispielsweise ist eine schattenarme Beleuchtung notwendig. Grund: Es werden keine irritierenden Schatten erzeugt – der Raum wir durch einen erhöhten Indirektanteil ganzheitlich ausgeleuchtet. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass sich das Auge nicht so stark adaptieren muss.


WIB: In welchen Branchen kommt dem Licht eine besondere Bedeutung zu?

Michael Doser: Besonders im medizinischen Umfeld wie in Kliniken und Arztpraxen, aber auch in der Seniorenpflege und im Verwaltungsbereich, haben indirekte und direkte Beleuchtung einen besonderen Stellenwert. Verstärkte Anforderungen an die Beleuchtung treffen wir gerade in der Seniorenpflege an: Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, beispielsweise Demenz, sind oft durch Fehlinterpretationen beeinträchtigt. Diese führen unter anderem häufig zu Stürzen. Hier lassen sich mit der Indirekt/Direkt-Beleuchtung sehr gute Erfolge erzielen.


WIB: Die EnEV 2016 erhöht weiter die Anforderungen an den Energiestandard von Wohnbauten. Wie ist Waldmann mit seinen Produkten, speziell in Gesundheitseinrichtungen, darauf vorbereitet?

Michael Doser: Waldmann verfügt inzwischen über ein sehr breites Spektrum an LED-Leuchten, das eine auf die Anwendung zugeschnittene Lichtverteilung mit Lichtfarbspektrum aufweist. Das ist sehr wichtig, da nur auf diese Weise eine energie- und anwenderorientierte Beleuchtungslösung erzielt wird. Ein weiterer wichtiger Punkt: Vor dem Hintergrund der wachsenden Vielzahl an LED-Leuchten wird eine gezielte Lichtplanung stetig wichtiger. Mit modernen Lichtsteuerungen beispielsweise können heute auch energieeffiziente Lichtlösungen realisiert werden: Im Gesundheitswesen beispielweise müssen Leuchten nutzerorientert ausgerichtet sein und so für jeden Bedarf die zugeschnittene Beleuchtung liefern.


WIB: Mit welchen Energiekosten haben Pflegeeinrichtungen und Kliniken zu rechnen?

Michael Doser: Das kommt natürlich auf die Beleuchtungsstärke an. In Pflegeheimen benötigen wir beispielsweise im Aufenthaltsraum bei einer Beleuchtungsstärke von ca. 500 Lux auf Tischhöhe etwa 6 W/qm.


WIB: Das biodynamische Licht, Human Centric Lighting (HCL), ist besonders für Räume mit wenig Tageslicht geeignet. Wie hoch ist der Energieaufwand?

Michael Doser: Da Waldmann grundsätzlich eine Lichtsteuerung in das HCL integriert, wird kein höherer Energieaufwand benötigt. Je nach Vergleich erhalten wir sogar einen geringeren Energieverbrauch bei einer gleichzeitig schonenderen Systemleistung. Ein Beispiel: Bei Vergleichsrechnungen weisen unsere Systeme zumeist eine Amortisationszeit von weniger als fünf Jahren auf. Das ist ein wichtiges Argument beim Einsatz eines biodynamischen Lichtsystems, bei dem sich Kunden erfahrungsgemäß in die Beschaltung der Leuchten nicht mehr einbringen.


WIB: In welchem Verhältnis stehen Energieaufwand, Kosten und Nutzen in Gesundheitseinrichtungen?

Michael Doser: Lassen Sie mich das anhand einer Beispielrechnung in einer Senioreneinrichtung erläutern: Vergleichen wir den Energiebedarf von drei unterschiedlichen Lichtsystemen – beispielsweise herkömmliche Leuchtstofflampen (System a), LED-Lampen, deren indirekt/direktes Licht in Reihe geschaltet wird (System b) und LED-Leuchten mit biodynamischen Licht (VTL- System c) – so benötigen wir einerseits pro System eine unterschiedliche Anzahl an Leuchten (neun, fünf und vier), um eine vergleichbare Helligkeit in einem Aufenthaltsraum von rund 44 Quadratmetern zu erzeugen. Zum anderen verursachen die verschiedenen Leuchtentypen einen unterschiedlichen hohen Energiebedarf. Legen wir nun noch die unterschiedliche Lebens- und Betriebsdauer der jeweiligen Leuchtmittel zugrunde und gehen von Kosten in Höhe von 0,19 Euro pro Kilowattstunde, inklusive Wartungsservice und Ersatzbedarf aus, liegt die Kosten-Nutzen-Effizienz beim VTL-System am Höchsten: Verglichen mit herkömmlichen Leuchtstofflampen spart die Gesundheitseinrichtung hier rund 8.800 Euro Kosten pro Jahr ein; die Einsparung von VTL gegenüber dem LED-Licht in Reihe beträgt rund 2.000 Euro pro Jahr. Das VTL-System hat sich nach 4,3 Jahr amortisiert.   


WIB: Eine energiesparende Beleuchtung ist von vielen Faktoren abhängig – nicht allein von den Produkten. In welchem Verhältnis steht die Qualität der Produkte zu den technischen Voraussetzungen in den einzelnen Einrichtungen?

Michael Doser: Das Hauptproblem, dem wir in Senioreneinrichtungen begegnen, ist die häufig überalterte Lichtinstallation: Sie ist hinsichtlich der Wartungsintervalle, dem Ersatzteilbedarf und dem Energieverbrauch sehr aufwendig.


WIB: Wenn eine Erhöhung der Energieeffizienz in Gesundheitseinrichtungen kaum möglich ist, welchen Vorteil hat dann der Einsatz von Energiesparleuchten?

Michael Doser: Von unseren Kunden erhalten wir häufig die Rückmeldung, dass sie nach dem Einbau unserer Lichtsysteme in ihren Einrichtungen deutlich weniger, und teilweise sogar gar keine Stürze mehr in den betreffenden Abteilungen zu verzeichnen haben. Neben den positiven Ergebnissen für die Bewohner hat dies natürlich den weiteren, positiven Nebeneffekt, dass die ganzen Zusatzleistungen weiterhin in Anspruch genommen werden. Das erleichtert den wirtschaftlichen Betrieb einer Anlage.


WIB: Herr Doser, wir danken Ihnen für das Gespräch.