Pflege, Reha & Soziales

Märkte & Unternehmen

Braunschweig,  20. Oktober 2015


Gesundheitsmarkt in Bewegung: Sanitätshäuser suchen Partner

Der Markt für Sanitätsprodukte – auch Hilfsmittelmarkt genannt – wird in der Gesundheitswirtschaft als lukratives Wachstumssegment betrachtet. Der Grund: In Deutschland werden versorgungsbedürftige Menschen überwiegend durch den Sanitätsfachhandel bedient. Branchenstrukturell teilt sich dieser in ca. 900 orthopädietechnische Handwerksbetriebe und in rund 2.000 Sanitätshäuser ohne orthopädietechnische Leistungen auf. Verlässliche und konsistente Daten hierzu gibt es allerdings nicht. Laut „VR Branchen spezial“-Bericht des ifo Institut, München, aus dem Jahr 2013 stammen „die Umsätze des Sanitätsfachhandels (...) überwiegend aus den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV).“

Das Marktvolumen für Sanitätshausprodukte und -dienstleistungen steigt aufgrund der demografischen Entwicklung stetig; und auch der GKV-Umsatz der orthopädietechnischen Branche wächst seit 2008 kontinuierlich und liegt im Durchschnitt bei 2,5% pro Jahr. Für das Jahr 2014 wird mit einem Erstattungsvolumen für Orthopädietechnik von 3,7 Mrd. Euro gerechnet.

Gleichwohl stehen die Unternehmen vor wirtschaftlichen Herausforderungen angesichts der Zunahme der Ausschreibungsverfahren von Krankenkassen zur Komplettversorgung in einem Produktsegment: Das günstigste Angebot erhält den Zuschlag – bundesweit. Eine Entscheidung, die häufig weder für den Hersteller noch für Lieferanten wirtschaftlich tragbar ist, oder gar dem Patienten die gewünschte wohnartnahe Betreuung, Beratung und Versorgung gewährleisten kann. Ein Um- und Weiterdenken ist angesagt – beispielsweise in Richtung Produktdiversifizierung in nichtmedizinische Versorgungsprodukte wie Textilien oder Fitnessartikel oder in Optionen von Querverkäufen wie Pflegeversicherungen oder ambulante Pflegedienstleistungen. Für letztere wiederum bieten sich auch Kooperationen mit Partnern vor Ort an. Partnerschaften mit regionalen Akteuren sind schon allein vor dem Hintergrund relevant, dass auch Apotheken, Waren- und Versandhäuser in den Markt der so genannten „Seniorenprodukte“ drängen – und zunehmend Umsatz generieren. Noch allerdings liegt der Umsatz mit Krankenpflegeprodukten in Apotheken bei nur vier Prozent.


Bild: Bundesministerium für Gesundheit, ZDH, ifo Institut