Pflege, Reha & Soziales

Pflege, Reha & Soziales

Dresden,  10. Mai 2019


Erste textil-integrierte Sensor-Polsterung mit Notruffunktion entwickelt

Entwicklung eines textil-integrierten Sensor-Systems mit Notruffunktion: Wissenschaftler des Instituts für Holztechnologie Dresden (IHD) haben ein Bewegungs-, Feuchte- und Temperatur-Erfassungssystem mit Notruffunktion zur Integration in Möbelkonstruktionen entwickelt. Das Produkt entstand in Kooperation mit den Projektpartnern Sächsisches Textilforschungsinstitut (STFI) in Chemnitz und der Materialforschungs- und Prüfanstalt an der Bauhaus-Universität Weimar (MFPA).

„Ziel unseres Projektes war die Entwicklung eines textilintegrierten Sensorsystems sowie der Nachweis von dessen Langlanglebigkeit im pflegerischen Bereich. Bekannte Lösungen können entweder Feuchte oder Druck ermitteln. Systeme mit einer kombinierten Erfassung von Feuchte- und Druckbelastungen waren bis zum Projektende nicht verfügbar.“ so Projektleiter Lars Blüthgen." Bisher bekannte Lösungen basierten seinen Ausagen zufolge auf elektrisch arbeitenden Sensoren, welche jedoch unter Umständen Einfluss auf aktive Implantate wie Herzschrittmacher oder Hörprothesen haben könnten. "Aufbauend auf den genannten Rahmenbedingungen forschten wir an der Erarbeitung einer faseroptischen Sensorlösung", so Blüthgen weiter.

Im Projekt wurde mit polymeroptischen Fasern (POF) gearbeitet, zu deren Einsatz bereits Erfahrungen vorliegen; sie werden beispielweise zur Detektion von Bewegungen, Temperaturen und Feuchten im körpernahen Bereich eingesetzt. Voraussetzung für das neue Projekt jedoch war, dass die Fasern nicht direkt mit den Personen verbunden sind. Es wurde untersucht, wie die durch einen menschlichen Körper auf ein Sitz- oder Liegemöbel wirkenden Belastungen auf die Konstruktion übertragen werden und welche maximalen Kräfte auf die optischen Fasern wirken.

Aufbauend auf den Ergebnissen wurden Methoden entwickelt, mit denen die optimale Sensorführung in einer Liege- oder Sitzfläche ermittelt werden konnte. Die vorliegenden Daten bildeten die Basis für die Applikation der POF innerhalb verschiedener textiler Flächengebilde. In weiteren Versuchsreihen war zu erkennen, dass die Sensorwirkung der Lösung sehr gut funktioniert, wenn bspw. die sensorisierte Fläche bei Liegemöbeln zwischen Schaumstoffkern und Matratzenschoner positioniert wird.

Parallel zur Entwicklung der Sensorik entwickelten die Forsche Möbel-Demonstratoren, in denen die neue Technik eingesetzt werden kann - beispsielweise in einem Bett. Neben verschiedenen unterstützenden Produkteigenschaften wie großen Schubkästen für Pflege- und Hilfsmittel sowie einer Sitzfläche am Fußende wurde in das Kopfteil ein Computer integriert, der bei Bedarf unsichtbar verbaut ist. Er fungiert als Datenerfassungs- und Auswertesystem und liefert bei Bedarf wichtige Informationen über eine hilfsbedürftige Person oder bietet abschließende Auswertungsmöglichkeiten.