Pflege, Reha & Soziales

Technologien & Anwendungen

Hanau,  28. Dezember 2017


E-Learning bewirkt einen Paradigmenwechsel in der Fortbildung von Mitarbeitern in Pflegeeinrichtungen

Die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der ambulanten und (teil-)stationären Altenpflege stellt einen zentralen Qualitätsindikator für Einrichtungen und für die Arbeit mit Menschen dar. Im Gegensatz zu anderen Branchen sind die Budgets in der Altenpflege jedoch deutlich eingeschränkt: Lediglich 300 Euro pro Mitarbeiter und Jahr würden ambulante und stationäre Träger im Durchschnitt für die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen ausgeben – nicht inbegriffen der Aufwand für den Arbeitszeitausfall sowie für Reise- und Übernachtungskosten. Problematisch wirke sich die Abstinenz auch auf die Dienstplanung und den damit verbundenen Ausfall der Arbeitskraft in der Einrichtung aus, sagt Dieter Bien, Geschäftsführer der APZ-MKK, Hanau. Digitale Lösungen und interaktive Medien böten hier einen Ausweg – und neue Möglichkeiten für Nutzer und Planer.  


Ein Gastbeitrag von: Dieter Bien*
| Geschäftsführer der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises gemeinnützige GmbH (APZ-MKK)  

Mit der Nutzung von E-Learning-Angeboten greifen Digitalisierung und moderne Kommunikation auf den Bildungssektor durch – und damit auch auf die Sozialwirtschaft mit Kliniken, Pflege-, Gesundheits- und sonstigen Sozialeinrichtungen. Dieser Trend bietet Unternehmen und Mitarbeitern erhebliche Vorteile. Im Vordergrund stehen Qualität und Kosten. E-Learning ist eine sinnvolle Unterstützung im Lernprozess und wird das Lernen, insbesondere durch eine Kombination verschiedener medialer Vermittlungsformen, optimieren.

Der Einsatz der neuen Medien und Plattformen bedeutet zugleich einen Paradigmenwechsel in einer personalintensiven und -affinen Branche wie der Altenpflege und der Altenhilfe. Das Grundproblem besteht in althergebrachten Denkstrukturen: Denn in der Altenpflege – dort, wo es um den Menschen geht – können die personenzentrierten Interaktionen, die bislang über Präsenzveranstaltungen oder Direktunterweisungen erfolgten, ja nun nicht plötzlich durch Technologien, Digitalisierung und Lernen am Computer ersetzt werden – so die weit verbreitete Meinung von Mitarbeitern und Führungskräften. Dem neuen Trend stehen sie aus diesem Grund sehr skeptisch gegenüber.

Unbestritten indes ist der ökonomische Aspekt des E-Learnings: Unter Einbeziehung sämtlicher Einflussfaktoren betragen die Kosten für eine E-Learning-Unterweisung beispielsweise nur 25 % der Kosten einer bisher üblichen Unterweisung. Gleichzeitig wird auch der Zeitaufwand für Schulungen und Trainings deutlich reduziert: Denn die Nutzer sind räumlich und zeitlich unabhängig. Ein Fakt, der speziell in einer Branche, die einen 24-Stunden-Arbeitseinsatz erfordert, von Bedeutung ist. Bietet E-Learning doch eine hohe Flexibilität in der Orts- und Zeitplanung. Gleichzeitig wird der Zeitaufwand für Schulungen und Trainings deutlich reduziert.

Gleichwohl sind sich die Akteure einig, dass E-Learning allein nicht die Fort- und Weiterbildungsanforderungen der Zukunft bedienen kann. Für zahlreiche Pflichtunterweisungen, die Vermittlung von theoretischen Lerninhalten sowie in Ergänzung um Präsenzveranstaltungen im Rahmen von Blended Learning wird es aber auch im sozialen Bereich eine zunehmende Bedeutung erlangen.

Um diese Entwicklung voranzutreiben, sind drei Akteure aus dem Bildungs- und Altenpflegesektor im Jahr 2017 eine Kooperation eingegangen mit dem Ziel, eine eigenständige E-Learning-Plattform für soziale Organisationen und Verbände im digitalen Bildungsmarkt aufzubauen. Im Zusammenschluss der hyAcademy, Hohenwestedt, des Aus- und Fortbildungsinstitut für Altenpflege in Hanau, Rodenbach und Gelnhausen sowie Prof. Dr. Zinn aus Wiesbaden entstand das E-Learning-Portal „e-campus-healthcare.com“ für die qualifizierte Fort- und Weiterbildung im Sozial- und Gesundheitswesen. Es soll Einrichtungen unterstützen, den qualitativen Standard der Branche weiter auszubauen und einen Strategiewechsel in der internen und externen Fort- und Weiterbildung einzuleiten.  

* Inhalte von Gastautoren geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder.

Bilder: @ APZ-MKK