MedTech

Technologien & Anwendungen

Homburg/Forchheim,  07. Februar 2016


Sliding Gantries: MedTech-Erfolgsgeschichte einer Industrie-Kooperation

Erfolgreicher Output einer vierjährigen Industrie-Kooperation: Schäffler, Homburg, und Siemens Healthcare, Forchheim, haben das 100. Fahrsystem eines Computertomographen (CT) – so genannte Sliding Gantries – an Kliniken ausgeliefert.     

Das Besondere daran: „Die Sliding Gantry ermöglicht es in dieser Form das erste Mal, einen einzigen Tomographen abwechselnd in zwei Zimmern einzusetzen. Der Durchsatz lässt sich erhöhen und für Notfälle steht jederzeit ein Schock- bzw. Interventionsraum mit CT bereit, ohne dass der geplante, klinische Alltag ins Stocken gerät“, so Anwender Prof. Dr. Reith, Universitätsklinikum des Saarlandes.   

Der Grund: „Während bei einem Computertomographen normalerweise der Patient mit der Liege durch das Gerät fährt, bewegt sich beim Sliding Gantry CT das Gerät während der Bildgebung über den Patienten. Das ermöglicht neue Nutzungsmöglichkeiten, besonders für die therapeutische Bildgebung. Darüber hinaus kann das CT in zwei Räumen mit zwei ortsfesten Patientenliegen eingesetzt werden, zwischen denen der Scanner verfahren werden kann“, erklärt Dr. Christoph Dickmann von Siemens Healthcare das System.


Zwei Partner in der Entwicklung – zwei Kompetenzen

In die Entwicklung des Sliding Gantry hat das Entwickler-Team beider Firmen ein Jahr Arbeit investiert: Siemens Healthcare konzentrierte sich auf CT-Gerät, Bildgebung und Scannersteuerung, Schaeffler auf die Mechantronische Linearsystemlösung beim Fahrsystem.

Henning Dombek, Leiter Systemlösungen bei Schaeffler Lineartechnik: „Mit der Übertragung der gesamten Lineartechnik an Schaeffler ging auch die Komplexität der dreidimensionalen Raumanpassung der Gantry in den Krankenhäusern in unsere Verantwortung über, wie beispielsweise die Längenvariabilität am Boden und an der Decke, die Anpassung an die Deckenhöhe und an den Bodenaufbau sowie die teleskopierbare Kabelsäule in mehreren Ausführungen.“

Ziel der beiden Entwickler-Teams war ein All-inclusive-Paket für die Sliding Gantry, das die Logistik für Siemens und für den Projektleiter möglichst einfach machen sollte. Siemens entschied sich dafür, die an individuelle Endkundenverhältnisse angepasste Lineartechnik und Kabelführungen bei Schaeffler in Homburg komplett aufbauen und testen zu lassen. Das Fahrsystem wurde anschließend verpackt und zu Siemens Healthcare nach Forchheim versandt.


Spagat zwischen Serie und Stückzahl 1 gelöst

Innerhalb nur eines Jahres entwickelten die Ingenieure von Schaeffler und Siemens gemeinsam die Sliding Gantry. Die Projektschwierigkeit bestand darin, dass jedes CT-Fahrsystem ein individuelles Einzelstück darstellt – generiert aus einem Serien-Baukasten mit 1600 möglichen Varianten.

Für Schaeffler Lineartechnik ergab sich die Herausforderung, trotz der hohen Varianz, dem Umfeld einer Baustelle und dem gesteckten Kostenrahmen eine Serienlösung zu entwickeln. „Am Schaeffler-Standort in Homburg haben wir beste Voraussetzungen, solch komplexe Projekte zu realisieren. Hier verfügen wir über das notwendige Know-how in allen Bereichen, angefangen von der Produktentwicklung, der Validierung, über den Einkauf, den Customer Service, dem Supply Chain Management bis zur Produktion vor Ort", so Ralf Moseberg, Geschäftsleitung Lineartechnik.

Die konstruktive, aber auch logistische Aufteilung in das Kernprodukt des Maschinenherstellers und in ein funktionsfertiges Linearsystem ist auch ein Modell für andere Maschinentypen, die erst beim Endkunden komplett aufgebaut werden können. Es entlastet den Maschinenhersteller wesentlich von der Handhabung, Vormontage und Einstellung der Linearsystem-Komponenten im eigenen Werk, beschleunigt den Warenein- und Warenausgang und vereinfacht den Versand. Für den Projektleiter vor Ort reduziert sich die Logistik auf ein Minimum.

Bildunterschrift: Ein auf Schienen fahrbarer Comutertomograph im Universitätsklinikum Frankfurt. Mit ihm lässt sich der CT auf Schienen bis zu sechs Meter in den benachbarten Raum fahren. Mit dieser Lösung können Ärzte schwerverletzte Unfallopfer im Schockraum schnell und umfassend untersuchten, ohne sie umlagern zu müssen.

Bilder: Siemens