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Essen,  02. Februar 2016


Evonik beteiligt sich an Medizintechnik-Start-up Synoste

Evonik Industries, Essen, hat über seinen Venture-Capital-Arm in das Start-up Synoste Oy investiert und hält eine Minderheitsbeteiligung an dem in Düsseldorf und Helsinki, Finnland, ansässigen Medizintechnik-Unternehmen. Die Investition erfolgte im Rahmen einer Series-A-Runde, an der auch der deutsche High-Tech Gründerfonds, die finnischen Venture-Capital-Fonds Finnvera und Lifeline Ventures und finnische Business Angel beteiligt sind. Das Volumen der gesamten Finanzierungsrunde liegt im einstelligen Millionen-Euro-Bereich.

"Medizintechnik ist eines der strategischen Wachstumsfelder von Evonik", sagt Bernhard Mohr, Leiter Venture Capital bei Evonik. "Gleichzeitig verfügen wir über eine Materialkompetenz bei Hochleistungskunststoffen. Deshalb passt Synoste hervorragend zu Evonik."

Das 2012 gegründete Unternehmen Synoste Oy ist ein Spin-off der Aalto-Universität in Espoo, Finnland. Zusammen mit der orthopädischen Spezialklinik Orton in Helsinki hat das Unternehmen ein Hightech-Implantat entwickelt, mit dem sich minimal invasiv Beinlängendifferenzen behandeln lassen, die langfristig zu chronischen Rückenschmerzen und Arthrose führen. Dabei wird der Knochen des kürzeren Beins über mehrere Monate hinweg schonend verlängert. Für die Patienten verspricht das Implantat im Vergleich zu etablierten Methoden eine einfachere Therapie, die weniger Schmerzen verursacht und weniger Risiken birgt.

Potenzial bietet die Implantattechnologie des Start-ups nicht nur bei der Beinverlängerung, sondern auch bei Fehlbildungen an Armen, Fingern, Zehen und der Wirbelsäule sowie in der Schädel-, Gesichts- und Kieferchirurgie. 

Bei der Fertigung des Implantats soll auch Vestakeep® Peek zum Einsatz kommen, ein Hochleistungskunststoff von Evonik, der sich mit seinen mechanischen Eigenschaften und seiner Bioverträglichkeit in der Implantat-, Dental- und Medizintechnik etabliert hat. "Durch die Beteiligung wollen wir eine neue, innovative Anwendung unseres Kunsttoffes erschließen und unser Geschäft und unsere Kompetenzen im Bereich Medizintechnik weiter entwickeln", sagt Matthias Kottenhahn, Leiter des Geschäftsgebietes High Performance Polymers bei Evonik.

Das Start-up wird das Implantat voraussichtlich 2017 unter dem Namen Nitinail™ auf den Markt bringen. Aktuell wird das CE-Zulassungsverfahren für das Produkt vorbereitet, das Voraussetzung für den Verkauf medizintechnischer Anwendungen in Europa ist.

Evonik will im Rahmen seiner Venture Capital Aktivitäten insgesamt 100 Millionen Euro in vielversprechende Start-ups mit innovativen Technologien und in führende, spezialisierte Venture Capital Fonds investieren. Regionale Schwerpunkte sind Europa, die USA und Asien. Aktuell hält Evonik Beteiligungen an acht Start-ups und vier Fonds. Mehr Informationen unter venturing.evonik.com.


Mehr Lebensqualität für den Patienten

Unterschiedliche Beinlängen können angeboren, eine Folge von Unfällen oder auch von Krebserkrankungen sein. Schätzungen zufolge werden derzeit pro Jahr weltweit etwa 30.000 Menschen behandelt. Bei der Standardmethode kommt ein Fixateur zum Einsatz – eine Stahlkonstruktion, die am Knochen befestigt und außen am Bein fixiert wird. Diese Methode birgt die Gefahr von Entzündungen, ist schmerzhaft und unbequem.

Das Implantat von Synoste ist eine Art intramedullärer Nagel, der in den zuvor durchtrennten Knochen eingesetzt wird. Während der mehrmonatigen Behandlung fährt er unter dem Einfluss elektro-magnetischer Strahlung in kleinen Schritten von 0,5 Millimeter wie ein Teleskop auseinander. Zwischen den beiden Knochenhälften bildet sich dabei stetig frische Knochensubstanz. Auf diese Weise ist ein Längenwachstum des Knochens um mehrere Zentimeter möglich.

Vorteile bietet das Implantat auch durch seine hohe mechanische Stabilität. Sie soll dem Patienten erlauben, das Bein schon in einem frühen Stadium der Behandlung voll zu belasten. Darüber hinaus ist das Infektionsrisiko deutlich geringer als beim Fixateur und es sind kürzere Klinikaufenthalte erforderlich.