MedTech

Technologien & Anwendungen

Kiel,  10. April 2015


„Da Vinci“-Chirurgiesystem: Roboter übernehmen die Operation

Medizintechnik im OP: Als eine der ersten Kliniken bundesweit ist es einem Ärzteteam am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, gelungen, den Kopf einer Bauchspeicheldrüse ausschließlich mit roboter-unterstützter, minimal-invasiver Technik erfolgreich zu entfernen. Der Eingriff erfolgte an der Klinik für Allgemeine-, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie unter der Leitung des Klinikdirektors Prof. Dr. Thomas Becker. Die komplexe Methode zur Pankreasresektion wurde bislang nur in wenigen Kliniken Europas und weltweit angeboten.

Aufgrund seiner Lage im Bauchraum zählt die Entfernung des Pankreaskopfes zu den aufwändigsten und schwierigsten Operationen, die in konventioneller offener OP-Technik sehr große Schnitte in der Bauchdecke nötig macht. Oberarzt Dr. Heiko Aselmann führte nun erstmalig am UKSH diese Whipple-Operation mithilfe des robotergestützten „Da Vinci“-Operationssystems vollständig minimal-invasiv durch. Dr. Aselmann: „Dank dieses schonenden Operationsverfahrens mit minimalen Schnitten konnte unsere Patientin nach einem Tag von der Intensivstation verlegt werden. Sie hat sich rasch von der Operation erholt. Es waren nur ganz kleine Bauchschnitte notwendig. Die Patientin wird weiter ambulant nachbetreut.“

Das „Da Vinci“-Chirurgiesystem, das der Operateur über eine Konsole in der Nähe des Operationstisches bedient, gilt als die modernste Entwicklung auf dem Gebiet der minimal-invasiven Chirurgie. Die robotergestützte „Operation der kleinen Schnitte“ ist schonend für den Patienten und ermöglicht eine schnellere Genesung gegenüber offenen Operationen. Das System bietet durch eine dreidimensionale Darstellung und bis zu 15-fache Vergrößerung die Möglichkeit der präziseren anatomischen Strukturdarstellung. Gegenüber der konventionellen laparoskiopischen Schlüssellochchirurgie bietet die Technik den Vorteil, dass die OP-Instrumente wegen ihrer uneingeschränkten Bewegungsfreiheit ähnlich der menschlichen Hand extrem flexibel eingesetzt werden können. Dabei werden die Bewegungen der Hand des Chirurgen in feinste, völlig zitterfreie Bewegungen der OP-Instrumente umgesetzt. Dadurch werden Gewebeschädigungen minimiert, feinste Nerven und Blutgefäße können geschont werden.

Zum Einsatz kommt die minimal-invasive Pankreasresektion vor allem bei Patienten mit bösartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse. Gerade auch Patienten mit gutartigen Tumoren und Krebsvorstufen der Bauchspeicheldrüse können, wenn eine Operation notwendig ist, von diesem Verfahren profitieren.

Am Campus Kiel des UKSH wird das robotergestützte Operationssystem seit Januar 2013 eingesetzt. Das Team der „Da Vinci“-Operateure der Klinik für Allgemeinchirurgie, bestehend aus Prof. Becker, Prof. Dr. Jan-Hendrik Egberts und Dr. Aselmann, hat das Einsatzspektrum des Chirurgiesystems deutlich ausgedehnt. Es kommt in inzwischen bei sehr komplexen Krebsoperationen an der Speiseröhre, der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, der Leber und dem Enddarm zum Einsatz. Auch Nieren-Lebendspenden wurden bereits erfolgreich durchgeführt.

Als eine von drei Kliniken in Deutschland ist die Allgemeinchirurgie ausgewiesenes Referenz- und Ausbildungszentrum für europäische Roboterchirurgie (EARCS).

Bildunterschrift:
Die „Da Vinci“-Operateure der Klinik für Allgemeinchirurgie (v.l.): Prof. Dr. Jan-Hendrik Egberts, Prof. Dr. Thomas Becker und Dr. Heiko Aselmann. (Quelle: UKSH)