Medizin & Krankenhaus

Technologien & Anwendungen

Berlin,  08. September 2015


Vivantes Humboldt-Klinikum setzt Roboter bei Speiseröhrentumor-OP ein

Auch Roboter können dazulernen: Erstmals unterstützte ein OP-Roboter am Vivantes-Humboldt-Klinikum einen chirurgischen Eingriff am Bauch. Ein 10-köpfiges Team hatte mit Hilfe des DaVinci-Chirurgiesystems Ende Juli 2015 bei einer Patientin einen bösartigen Speiseröhrentumor entfernt - die erste Operation dieser Art in der Region Berlin-Brandenburg.

Bislang half das Robotersystem im Vivantes Humboldt-Klinikum bei der Behandlung von Prostata- und Nierenkrebs sowie bei Rekonstruktionen des Harntraktes. "Bei Speiseröhrenoperationen müssen normalerweise der Bauchraum und die Brusthöhle geöffnet werden, also zwei Körperhöhlen - daher bietet sich bei bestimmten Patienten ein minimalinvasives, roboter-assistiertes Verfahren an, um die Belastung für den Körper und die postoperativen Risiken zu verringern," erklärt Operateur Dr. Colin M. Krüger, Fachbereichsleiter für Minimal Invasive Chirurgie und Robotik am Department für Chirurgie des Reinickendorfer Krankenhauses.

Die Vorteile eines minimal-invasiven Eingriffes gegenüber herkömmlichen OP-Methoden sind signifikant: Zum einen verkraften Patienten die OP besser und benötigen in der Folge einen kürzeren Aufenthalt auf der Intensivstation. Auch sei im Allgemeinen eine schnellere Genesung zu erwarten, so Krüger: "Entscheidend für den Patienten ist nicht in erster Linie die Art und das Ausmaß der Operation, sondern das Ausmaß des chirurgischen Zugangs zu den betroffenen Körperbereichen."

 

Patienten werden bei der OP gedreht

Die Roboter-unterstützte Operation erfolgt in zwei Schritten: Zunächst liegt der Patient auf dem Rücken und es werden die Zugänge in die Bauchhöhle geschaffen, wobei der Magen in den späteren Ersatz der Speiseröhre umgeformt wird. Anschließend wird das Zwerchfell am Durchtritt der Speiseröhre geöffnet, und die Speisröhre mit den dazugehörigen Lymphknotenstationen präpariert. Es folgen die Verlagerung der Speiseröhre und der als Ersatz umgeformte Magen in die rechte Brusthöhle; das Zwerchfell wird wieder verschlossen. Nach diesen Maßnahmen wird der Patient auf dem Bauch gelegt und insgesamt vier kleine Zugänge zum rechten Brustkorb hergestellt. Die erkrankten Teile der Speiseröhre werden entfernt und der Magen als Speiseröhren-Ersatz an den gesunden Teil der Speiseröhre angeschlossen. Besondere Akkuratheit bedarf es bei der Naht zwischen Speiseröhre und Speiseröhrenersatz, die besonderen Belastungen ausgesetzt ist - und genau hierbei unterstützt die chirurgische Präzision, die das DaVinciSystem ermöglicht.

 

Roboter unterstützt Chirurgen - ersetzt ihn aber nicht

Bereits seit Februar 2014 wird im Vivantes Humboldt-Klinikum mit der Unterstützung eines Roboters operiert, zunächst in der Urologie bzw. im Prostatazentrum und seit Neustem in der Bauchchirurgischen Klinik. Der OP-Roboter stellt dabei eine hilfreiche Assistenz für den Arzt dar. So vergrößert das Robotersystem beispielsweise den OP-Bereich visuell um das 10-fache und bietet eine 3D-Optik.

Derzeit sammlen die Ärzte im Humboldt-Klinikum weitere Daten zur Robotik, um die neue Art des Operierens voranzubringen. "Wir wollen Studiendaten liefern und damit helfen, einen klinischen Patientennutzen nachzuweisen", so Krüger. Dies sei eine wichtige Voraussetzung dafür, die neue Therapieoption in den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen aufnehmen zu können.

 

Bild: Monique Wüstenhagen