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Göttingen,  28. Oktober 2016


Universitätsmedizin Göttingen eröffnet neue Biobank

Neue Zentrale Serviceeinrichtung in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Das UMG hat die zweite zentrale Kliniksbiobank in Niedersachsen eröffnet. Die UMG Biobank bewahrt Biomaterialien nach gesicherten  Qualitätsstandards und unter Berücksichtigung ethischer und rechtlicher Richtlinien zentral für die Forschung auf. Ziel ist es, zukünftig komplexe krankheitsbezogene Zusammenhänge besser verstehen zu können. Leiterin der UMG Biobank, Dr. Sara Nußbeck: „Mit der neuen UMG Biobank unterstützen wir in erster Linie die Forschung an der UMG. Zudem sind wir auch Serviceeinrichtung und Dienstleister für andere Institute und Einrichtungen am Wissenschaftsstandort Göttingen Campus, in der gesamten Region und für die Industrie."


Modernes Robotersystem für die Probenlagerung

Kernstück der Anlage ist ein moderner Kryoroboter für Biomaterialien: Er fasst bis zu zwei Millionen kleine Röhrchen mit biologischen Proben wie Blut, Urin, Speichel, oder Gewebe und konserviert diese bei minus 80 Grad Celsius für viele Jahre. Der Roboter bewahrt das Biomaterial nachvollziehbar auf und kann dieses jederzeit wieder für Analysen hervorholen. Die Temperatur der Biomaterialien wird während ihrer Lagerung ununterbrochen überwacht und dokumentiert.

Die Biobank ist auf einer Fläche von rund 240 Quadratmetern eingerichtet und weist drei große Stickstofftanks jeweils mit einer Höhe von 1,70 Meter und einem Durchmesser von 1,50 Meter auf. In den Tanks lagern  jeweils rund 600.000 Proben in der Gasphase von flüssigem Stickstoff bei einer Temparatur von bis zu minus 190 Grad Celsius. In jedem Gerät befindet sich am Boden ein See von rund 300 Liter flüssigem Stickstoff. Die drei Tanks und die Notkühlung des Kryoroboters sind direkt an einen Stickstoffaußentank angeschlossen und werden von diesem Außentank automatisiert befüllt. Der Außentank kann mit bis zu 8.400 Liter Stickstoff gefüllt werden. Der Füllstand wird automatisch überwacht.

Die UMG-Biobank inklusive Roboter, Versorgungseinrichtungen, Labore und Büros kostete rund vier Mio. Euro. Das Investment wurde aus Eigenmitteln des UMG finanziert und mit rund 800.000 Euro aus dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) unterstützt.


Vorteile der Biomaterialspende

Eine Spende von Biomaterialien hilft Erkrankten, besser behandelt werden zu können. Der Grund: Biomaterial ermöglicht die Erforschung verschiedener Krankheiten wie Alzheimer, Krebs oder Multiple Sklerose.

Die Materialien können von Forschern innerhalb und außerhalb der UMG für eigene Forschungszwecke angefragt werden. Mit der Analyse von Biomaterialien, die qualitätsgesichert in einer Biobank gelagert werden, können zukünftig komplexe krankheitsbezogene Zusammenhänge schneller und einfacher verstanden werden. Dadurch sind Krankheiten für nachfolgende Generationen leichter diagnostizier- und heilbar.

Die gespendeten Biomaterialien sind zu jeder Zeit vor Zugriff gesichert. Die dazugehörigen medizinischen Daten werden nach den jeweils geltenden Datenschutzgesetzen in verschlüsselter Form gespeichert und an Forscher weitergegeben. Über die jeweilige Freigabe der Materialien und der zugehörigen Daten entscheidet die zuständige Ethikkommission der UMG und ein speziell eingerichtetes Herausgabekomitee der UMG Biobank.


Wie funktioniert eine Spende?

Im Rahmen der Behandlung werden zu diagnostischen und therapeutisch notwendigen Zwecken Biomaterialien entnommen und untersucht. Nach Abschluss der Analysen werden die verbleibenden Materialien nur mit Zustimmung des Patienten in die UMG Biobank überführt und nicht, wie sonst im Normalfall, sachgerecht entsorgt.

Die UMG Biobank zählt zu den zehn vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Standorten im Rahmen der Deutschen Biobankenallianz. Darin wird ein Verbund deutscher Biobank-Standorte unterstützt, der von der Kontakt- und Vermittlungsstelle für Biomaterialbanken (GBN) koordiniert werden soll.


Bilder: UMG