Medizin & Krankenhaus

Forschung & Entwicklung

Bielefeld,  09. Januar 2017


Uni Bielefeld erhält eine Million Euro für drei Projekte zur Gesundheitsforschung

Die Universität Bielefeld untersucht bis zum Jahr 2019 drei neue Projekte für zeitgemäße Gesundheitsversorgung. Schwerpunkte sind Konzepte wie ärztliche Televisiten, Videokonferenzen von Medizinern, Online-Videotelefonie für ältere Menschen und digitale Medikationspläne. Professor Dr. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften: „Wir untersuchen, wie sich die Projekte auf die Versorgungssituation der Versicherten auswirken. Patienten sollen besser versorgt, ihre Behandlung und Betreuung wirtschaftlicher werden.“

Für die wissenschaftliche Analyse der Projekte hat die Universität Bielefeld jetzt eine Förderzusage über mehr als eine Million Euro erhalten. Die Projektförderung startet Anfang dieses Jahres. Die Mittel stammen aus dem bundesweiten Innovationsfonds zur Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Das Projekt „TELnet@nrw“ beispielsweise setzt digitale Medien ein, mit dem sich Ärzte untereinander austauschen und Patienten aus der Ferne behandeln können. In dem neuen Gesundheitsnetzwerk beraten und betreuen zwei Universitätskliniken in Aachen und Münster über digitale Medien 17 Krankenhäuser der Grundversorgung und zwei Ärztenetze in Bünde und Köln mit insgesamt rund 130 Ärztinnen und Ärzten. Die Universitätskliniken stellen ihr Wissen durch Televisiten, Expertenchats und Fortbildungen via Internet zur Verfügung. In den kommenden drei Jahren sollen rund 50.000 ambulante und stationäre Patienten von dem Projekt profitieren.

Im Projekt „Anwendung für digital unterstütztes Arzneimitteltherapie- und Versorgungsmanagement“ (AdAM) soll mit Hilfe digitaler Medikamentenpläne Polypharmazie vermieden werden. Die Koordination und Optimierung der Arzneitherapie soll künftig über den Hausarzt erfolgen. Er überwacht und erkennt Doppelverordnungen, Wechselwirkungen oder Dosierungsfehler und kann reagieren. Partner des Projekts sind neben der Universität Bielefeld die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, die Barmer, die Universitäten Köln, Frankfurt am Main, Bochum und die Universitätsklinik Köln.

Das Projekt "NetzWerk LebenPlus" (NWLP) will selbstbestimmtes Leben auch im hohen Alter ermöglichen – wenn möglich und gewünscht in den eigenen vier Wänden. Ausgangspunkt des Netzwerks ist die Analyse der Ressourcen und Gesundheitsrisiken der älteren Menschen, die an dem Projekt teilnehmen. Eine digitale Kommunikationsplattform unterstützt die Arbeit des Netzwerks. Geplant sind zum Beispiel die Online-Videotelefonie mit Angehörigen und Ärzten, ein digitaler Medikationsplan und Online-Coachings. In dem Projekt kooperiert die Universität Bielefeld mit der Techniker Krankenkasse, der Barmer, der DAK Gesundheit, der Knappschaft, dem Albertinen-Krankenhaus und dem Albertinen-Haus, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Unternehmen CIBEK technology + trading und der Forschungsabteilung für Klinische Geriatrie am Albertinen-Haus, Universität Hamburg.

Hintergrund: Der neue Innovationsfonds der Bundesregierung fördert erstmals ab dem Jahr 2017 Projekte, die neue Konzepte für die Regelversorgung von Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen entwickeln. Auf diese Weise soll insbesondere die sektorübergreifende Versorgung in Deutschland, also stationäre und ambulante Behandlungen, besser miteinander verbunden werden. Am 20. Oktober 2016 hatte der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) über die ersten Projekte entschieden, die finanzielle Mittel aus dem Innovationsfonds erhalten sollen. In dem Gemeinsamen Bundesausschuss sind für ganz Deutschland Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen organisiert. Der Ausschuss hat Förderzusagen über mehr als 220 Millionen Euro erteilt.