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Kiel,  28. April 2016


Sechs Millionen Euro für neues Forschungsprojekt der Mikrobiologie in Kiel

Erneuter Erfolg für den Forschungsstandort Schleswig-Holstein: Nach der Bewilligung von drei neuen Leibniz-WissenschaftsCampi Mitte März in Kiel hat nun auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) eine umfangreiche Förderung zusagt: Zur Einrichtung des neuen Schwerpunktprogramms (SPP) „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannt Welt“ stellt die DFG einem interdisziplinären, bundesweiten Forschungskonsortium unter der Leitung der CAU rund sechs Millionen Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung.

Als Projektpartner stehen drei Forschungsgruppen an den Universitäten Würzburg, Freiburg und Braunschweig aus der Mikrobiologie, Infektionsforschung und Biochemie fest. „Den Auftrag zur Einrichtung eines solchen umfangreichen nationalen Verbundes durch die Uni Kiel sehen wir als weitere Bestätigung unserer exzellenten Forschungsarbeit. Bundesweit wird jetzt anerkannt, dass sich Kiel zu einem herausragenden Wissenschaftsstandort und Impulsgeber entwickelt, und das nicht nur in den Lebenswissenschaften“, bewertet CAU-Vizepräsidentin Professorin Karin Schwarz die Entscheidung der DFG.

Während die Lebensprozesse vielzelliger Organismen seit vielen Jahren intensiv erforscht werden, gibt es auch heute noch beinahe vollständig unbekannte Gebiete in den Lebenswissenschaften. Ein solches neuartiges Forschungsfeld, das die Wissenschaftler des SPP nun erschließen wollen, konzentriert sich auf die Welt der sogenannten Prokaryoten. Diese Gruppe einzelliger Lebewesen ist durch das Fehlen eines Zellkerns charakterisiert und umfasst Bakterien und Archaeen, auch Urbakterien genannt. Sie kommen in großer Anzahl in den verschiedensten Umgebungen vor und spielen eine wichtige Rolle zum Beispiel für Gesundheit und Umwelt.

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht die Rolle neu entdeckter, besonders kleiner Proteine der Prokaryoten, den bisher wenig erforschten sogenannten µ-Proteinen. Die Wissenschaftler wollen die Funktionen und molekularen Mechanismen der kleinen Proteine untersuchen, was erst durch die jüngsten Fortschritte in den Analysetechniken möglich geworden ist. „Mit der Erforschung der µ-Proteine betreten wir wissenschaftliches Neuland. Dank der Förderzusage der DFG sind wir nun in der Lage, über die kommenden Jahre die Grundlagen zur Beschreibung und Funktionsanalyse einer völlig neuen Proteinklasse zu schaffen und möglicherweise gänzlich neuartige Prinzipien der Regulation und der Zusammensetzung von Proteinkomplexen zu entschlüsseln“, sagt sich Professorin Ruth Schmitz-Streit, Mikrobiologin an der CAU und Leiterin des neuen Schwerpunktprogramms.

Erste Studien weisen darauf hin, dass die neuentdeckten kleinen Proteine möglicherweise für ein breites Spektrum an zellulären Prozessen von der Energiegewinnung bis hin zum Transport verantwortlich sind. Die Forschenden haben sich nun vorgenommen, die bislang weitgehend unbekannte Vielfalt der kleinen prokaryotischen Proteine einschließlich ihres Funktionsumfangs zu entschlüsseln. Dabei erwarten sie, hunderte neuer Proteine in verschiedenen Spezies und neuartige Funktionen zu entdecken. Diese Bestandsaufnahme der Gesamtheit der prokaryotischen Mikroproteine wird dazu beitragen, das Wissen über ihren Beitrag zu regulatorischen und strukturellen Prozessen zu erweitern. Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es damit, die Klasse der µ-Proteine zu charakterisieren und so grundlegende Prinzipien des prokaryotischen Lebens zu entschlüsseln.

Langfristig erhoffen sie sich davon unter anderem neuartige Therapieansätze, zum Beispiel die Entwicklung von alternativen Methoden zur Bekämpfung von mikrobiellen Krankheitserregern. Bis zum Start des wissenschaftlichen Programms im kommenden Jahr gilt es nun, aus den rund 30 designierten teilnehmenden Arbeitsgruppen verschiedener Forschungsinstitutionen bundesweit das thematische Netzwerk des neuen SPP „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannt Welt“ zu formen.

Bild: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel