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Bochum,  01. Dezember 2015


Knappschaftskrankenhaus Bochum: erstes deutsches Zentrum „Liquid Biopsy“

Das Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum wird erstes deutsches Kompetenzzentrum für „Liquid Biopsy“ - und steigt damit deutschlandweit als erstes in die molekulare Tumoranalytik mit Flüssigbiopsie-Verfahren ein.

Ab 1. Dezember ist es damit möglich, den Mutationsstatus von Darmtumoren anhand einer einfachen Blutprobe zu bestimmen. Das Knappschaftskrankenhaus Bochum setzt hierfür einen neu entwickelten RAS-Biomarkertest in der Darmkrebstherapie ein. Seine Relevanz für die gezielte Behandlung der Patienten ist in einer Studie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) bestätigt worden. Das blutbasierte Verfahren verspricht nach Ansicht der Bochumer Ärzte um Prof. Wolff Schmiegel viel: Es ist einfach, schnell und ermöglicht mehr Patienten eine personalisierte, maßgeschneiderte Therapie.


Biomarker zeigt Mutationsstatus an
Der OnkoBEAM-Test wurde von Sysmex Inostics entwickelt. Die Validierungsstudie erfolgte im Rahmen des Wissenschaftsprogramms der Landesförderung P.U.R.E. (Protein Research Unit Ruhr within Europe) in Zusammenarbeit mit Sysmex Inostics und Merck Serono. Am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus setzen die Forscher den blutbasierten Test nun bei Patienten ein, die eine Darmkrebserkrankung im fortgeschrittenem Stadium aufweisen. Der Test zeigt den Mutationsstatus des RAS-Gens an. Dieses RAS-Gen spielt eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Wachstums der Krebszellen und ist entscheidend bei der Auswahl der gezielten Therapie.


„Liquid Biopsy“ als Ergänzung zur Gewebebiopsie
Als derzeitiger Goldstandard zur Bestimmung des RAS-Status gilt die Untersuchung der Gewebeprobe durch einen Pathologen. OncoBEAM wiederum ist ein nicht-invasives Verfahren, das als nützliche Ergänzung zu herkömmlichen Gewebebiopsien oder chirurgischen Eingriffen dienen kann.


Frühe Hinweise bei laufender Therapie
Die Bestimmung des Mutationsstatus aus dem Blut ist ein wichtiges Werkzeug, das derzeit in klinischen Studien beim Patientenmonitoring erprobt wird. Dies würde in Zukunft eine nicht-invasive Überwachung des RAS-Mutationsstatus während der laufenden Therapie ermöglichen. Erste Studienergebnisse zeigen, dass RAS-Mutationen vor allem unter der Behandlung mit EGFR (Epidermal Growth Factor–Rezeptor)-Antikörpern neu auftreten können. Die neue Mutationsdiagnose könnte somit zusätzlich einen frühen Hinweis darauf liefern, die Therapie dem veränderten Tumorprofil anzupassen bzw. entsprechend umzustellen, diese wird derzeit weiter überprüft.

Die Diagnose ist auch dann sinnvoll einsetzbar, wenn keine Tumorgewebeprobe entnommen werden kann. „Damit können wir die wirkungsvolle Antikörper-Therapie gegen den EGFR auch bei Patienten in Erwägung ziehen, bei denen die Bestimmung des RAS-Mutationsstatus aufgrund von fehlendem oder unzureichendem Gewebematerial bisher nicht möglich war“, erläutert Dr. Alexander Baraniskin. Der Einsatz von Antikörpern gegen EGFR gehört zur modernen gezielten Therapie bei Patienten mit metastasiertem Darmkrebs.


Auf der Suche nach dem prädiktiven Marker
Die Bochumer Ärzte orientieren sich verstärkt in Richtung einer personifizierten, individuellen Darmkrebstherapie. Um diese langfristig in den klinischen Alltag zu integrieren, müssen die Forscher so genannte prädiktive Marker für einzelne Therapien finden, die dem Arzt Informationen darüber liefern, ob eine bestimmte Behandlung bei einem Patienten voraussichtlich wirken wird. „Die Bestimmung des RAS-Mutationsstatus ist ein solch prädiktiver Biomarker für den Einsatz von Antikörpern gegen den EGF-Rezeptor“, so Dr. Baraniskin.

Prädiktive Biomarker bei Darmkrebs zu identifizieren, zu validieren und klinisch zu erproben ist ein Forschungsschwerpunkt am Universitätsklinikum der RUB am Standort Knappschaftskrankenhaus Bochum. Unter der Leitung von Prof. Wolff Schmiegel wird der Schwerpunkt insbesondere von der Landesförderung P.U.R.E. getragen.


Bilder: Andreas Beyna, UK Knappschaftskrankenhaus Bochum