Medizin & Krankenhaus

Forschung & Entwicklung

Hamburg,  16. Oktober 2017


Erster Gesundheitskiosk Deutschlands startet in Hamburg

Innovation im Gesundheitsmarkt: In Hamburg greift ein neues, kostenloses Angebot zur niederschwelligen Gesundheitsversorgung. Der sogenannte "Gesundheitskiosk" stellt ein medizinisches  Beratungsangebot zur Förderung der Gesundheitskompetenz für Einwohner der Hamburger Stadtteile Billstedt und Horn dar, welches gleichzeitig die Gesundheitskompetenz von Patienten fördern und Ärzte entlasten soll.

Der erste Gesundheitskiosk Deutschlands, der nach internationalem Vorbild konzipiert wurde, ist Teil eines Gesundheitsnetzwerks, das die „Gesundheit für Billstedt/Horn UG“ mit dem Hauptgesellschafter "Ärztenetz Billstedt-Horn" und der „AOK Rheinland/Hamburg – Die Gesundheitskasse“ gemeinsam mit Partnern aus der Region aufbaut. Das Projekt wird vom Innovationsfonds mit Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung gefördert.

Ziel ist es, bestehende Versorgungslücken zu schließen und Gesundheitsförderung und Prävention in den Stadtteilen zu stärken. Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstands der AOK Rheinland/Hamburg: „Chronische Erkrankungen wie Diabetes treten in Billstedt/Horn fast zehn Jahre früher auf als im Hamburger Durchschnitt. Das wollen wir ändern.“ Der Gesundheitskiosk sei ein wichtiger Schritt hin zu einem Gesundheitswesen, das sich stärker an den Menschen orientiere und sie in ihrem Alltag abhole.

Inhaltlich werden im Gesundheitskiosk Beratungsleistungen für Patienten vor und nach Arztbesuchen erfolgen, koordiniert weitere Behandlungsschritte eingeleitet und die Kunden an Einrichtungen und Vereine im Stadtteil vermittelt. Die Betreuung erfolgt über ein medizinisch ausgebildetes, mehrsprachiges Team. Mittels des breiten Beratungsangebot soll der Gesundheitskiosk zudem Patienten helfen, Experten für ihre eigene Gesundheit zu werden. Dr. Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer der „Gesundheit für Billstedt/Horn UG“: „Das Ziel dabei ist, dass wir die Gesundheitskompetenz der Patienten verbessern und sie zu mehr Eigeninitiative in Bezug auf ihre Gesundheit aktivieren.“

An diesem Punkt sieht auch die Ärzteschaft aus den Stadtteilen Vorteile: "Die Beratungen erhöhen die Wirkung unserer ärztlichen Empfehlungen und unterstützen die Patienten nachhaltig bei der Verhaltensänderung“, sagt Facharzt Dr. Gerd Fass, einer der Initiatoren des Gesundheitsnetzwerks. 


Erfolg und Übertragbarkeit
Die Arbeit des Gesundheitskiosks wird wissenschaftlich begleitet vom "Center for Health Economics" (HCHE) an der Universität Hamburg unter Leitung von Prof. Dr. Jonas Schreyögg. Im Projekt werde dazu unter anderem die Zufriedenheit der Patienten und ihr Aktivierungsgrad ermittelt und evaluiert.
Das Projekt ist langfristig angelegt. Es wird angestrebt, weitere Akteure und Krankenkassen zu integrieren.


Hintergrund: International erprobtes Konzept
Das Modell des Gesundheitskiosks basiert auf dem Terveyskioski in Finnland. Ähnliche Konzepte existieren in den USA: In so genannten Retail Clinics, die in Einkaufszentren, Supermärkten oder Drogerien zu finden sind, werden Leistungen der Primärversorgung sowie Gesundheitsberatungen durchgeführt. Das Angebot basiert auf dem „Walk-In-Prinzip“ ohne vorherige Anmeldung. Im Allgemeinen dienen sowohl die Retail Clinics als auch der Terveyskioski in Finnland zur Erstberatung und zur Bereitstellung von Erstinformationen für die betreffenden Anliegen der Besucher.