Medizin & Krankenhaus

Forschung & Entwicklung

Berlin,  23. Januar 2017


Charité erhält Millionen-Förderung für die Versorgungsforschung

Für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und die Entwicklung neuer Versorgungsformen erhält die Charité – Universitätsmedizin Berlin Fördergelder aus dem Innovationsfonds des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Die Höhe der Förderung beläuft sich voraussichtlich auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Im Fokus stehen sechs Projekte über eine Laufzeit von drei Jahren.

Neue Versorgungsformen

Im Rahmen des ersten Projektes (Translate – Namse) soll die medizinische Versorgung von Kindern und Erwachsenen mit seltenen Erkrankungen nachhaltig verbessert werden. Grund: Patienten mit den Symptomen einer seltenen Erkrankung gelangen oftmals erst nach langem Weg zur richtigen Diagnose. Ziel des Projektes ist es, Kindern und Erwachsenen zu einer schnelleren Diagnose, einer effizienten Versorgung und einer höheren Behandlungsqualität zu verhelfen.

Die Versorgung von Patienten vor und nach einer intensivmedizinischen Behandlung soll durch das Projekt Eric (Enhanced Recovery after IntensiveCare) verbessert werden. Etwa 2,1 Millionen Patienten werden in Deutschland jährlich auf Intensivstationen behandelt, fast eine halbe Million beatmet. Nicht selten führt eine Intensivbehandlung zu kritischen und belastenden Langzeitfolgen für Patienten und Angehörige, wie kognitive Einschränkungen, Immobilität oder Pflegebedürftigkeit. Ziel des Projektes ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Anwendung zu bringen und Patienten an ein neues telemedizinisches Intensivnetzwerk anzuschließen. Durch diese Maßnahmen soll die Patientensicherheit während und nach der Behandlung erhöht und Langzeitfolgen vermieden werden.

Ein weiteres Vorhaben (Annotem) hat zum Ziel, mit Hilfe eines telemedizinischen Netzwerkes die Behandlung akutneurologischer Notfälle in den nordostdeutschen Flächenländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu unterstützen. Für diese potentiell lebensgefährlichen Erkrankungen gibt es zwar gesicherte, die Prognose verbessende Behandlungen. Die Therapieoptionen stehen jedoch häufig in strukturschwachen Regionen nicht ausreichend zur Verfügung oder kommen nach einer Krankenhausverlegung nur verspätet zum Einsatz. Vor diesem Hintergrund soll die Behandlungsqualität akutneurologischer Notfälle in den Regionen verbessert und die Anfallsprophylaxe bei Epilepsiepatienten optimiert werden.


Versorgungsforschung

Im Rahmen der Versorgungsforschung wurden drei an der Charité angesiedelte Projekte für die Förderung ausgewählt. Eins der drei Projekte beschäftigt sich mit der regionalen medizinischen Versorgung von Frauen.

Im Rahmen des demographischen Wandels und des reduzierten Zuganges werden insbesondere Frauen im zweiten und dritten Lebensabschnitt in ländlichen Gebieten vom Mangel an frauenärztlicher Versorgung betroffen sein. Primäres Projektziel ist die Erforschung der veränderten Betreuungssituation der betroffenen Frauen und die Identifizierung von Innovationspotentialen in einer fachübergreifenden Versorgung.

Das Projekt Indeed untersucht die Belastung des Gesundheitssystems vor und nach einer Behandlung in der Notaufnahme. Im Vordergrund steht die Identifikation von Einflussfaktoren auf eine angemessene, unangemessene und vermeidbare Nutzung von Notaufnahmen mit dem Ziel der Identifikation von Versorgungslücken. Auf Basis der Ergebnisse sollen Modelle zur bedarfsgerechten Anpassung der Versorgung entwickelt werden.

In dem dritten beantragten Projekt (Mehira) soll ein Modell zur effektiveren Gesundheitsversorgung von in Deutschland lebenden jugendlichen und erwachsenen Flüchtlingen mit Depressionen überprüft werden. Die gewonnenen Erkenntnisse können unmittelbar für die Versorgung von Flüchtlingen, aber auch zur Verbesserung der Versorgung von weiteren Bevölkerungsgruppen mit erschwertem Zugang zum Gesundheitssystem verwendet werden.

Weitere Projekte, an denen die Charité als Konsortialpartner beteiligt ist, beschäftigen sich unter anderem mit Untersuchungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Schwangerschaft und dem Nutzen neuer Arzneimittel in der Onkologie.

Insgesamt werden durch den Innovationsfond bundesweit 300 Millionen Euro jährlich vergeben. Hiervon sind 225 Millionen Euro für die Förderung neuer Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für die Versorgungsforschung vorgesehen. Der Fonds wurde von der Bundesregierung ins Leben gerufen, um eine künftig bessere gesundheitliche Versorgung in Deutschland zu schaffen. Ziel ist es, neue gesundheitliche Versorgungsmodelle zu fördern, die über die Regelversorgung hinausgehen und darauf ausgerichtet sind, die Versorgung gesetzlich Krankenversicherter zu verbessern.