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Lübeck,  10. Oktober 2015


UKSH und BAM/Vamed realisieren größtes klinisches Bauvorhaben in Europa

Startschuß für das größte klinische Bauvorhaben Europas: Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist der Grundstein für den Bau der Universitätsmedizin der Zukunft in Schleswig-Holstein gelegt worden. Ziel des Baulichen Masterplanes ist die nachhaltige Sicherstellung der medizinischen Maximalversorgung für die Menschen in Schleswig-Holstein. Gleichzeitig werden die baulichen Voraussetzungen für eine zukunftweisende Forschung und Lehre geschaffen.


Partnerschaftsmodell
Das Projekt wird in Partnerschaft mit dem Konsortium BAM/VAMED realisiert. Die Kosten für Planung, Neubau und Sanierung von Immobilien des UKSH in Kiel und Lübeck betragen rund 520 Millionen Euro. Das Gesamtprojekt weist über eine Vertragslaufzeit von 30 Jahren ein Vertragsvolumen von rund 1,7 Milliarden Euro aus und beinhaltet den Betrieb und die laufende Instandhaltung der Immobilien. Die Grundsteinlegung fand Ende September in Anwesentheit des UKSH-Vorstandsvorsitzenden, Prof. Dr. Jens Scholz sowie der Ministerin für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung in Schleswig-Holstein, Kristin Alheit, und Vertretern des Baukonsortiums BAM/VAMED statt. Prof. Scholz: „Wir legen den Grundstein für das größte Bauvorhaben in der Geschichte der Universitätsmedizin in Schleswig-Holstein. Mit dem Slogan „Wir schaffen das.“ krempeln wir die Ärmel auf und ergreifen die historische Chance, die medizinische Maximalversorgung unserer Patienten für die kommenden Jahrzehnte sicherzustellen und die Innovationskraft von Forschung und Lehre nachhaltig zu stärken."

Das Bauprojekt
Die Bausubstanz der teils über 100 Jahre alten Gebäude des UKSH erfordert eine umfangreiche bauliche Sanierung des Klinikums; ein Großteil der Gebäude lässt sich unter den heute optimalen klinischen und wirtschaftlichen Aspekten nicht mehr betreiben. So sind beispielsweise Kliniken wie die Augenklinik und die Hals-, Nasen- und Ohrenklinik in Lübeck in Lazarettbaracken von 1936 untergebracht. In Kiel befindet sich die Innere Medizin in einem Marinelazarett, das vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Das Zentralklinikum in Lübeck wurde in den 1980er-Jahren errichtet.

Vor diesem Hintergrund sieht das neue medizinische und baulich-funktionelle Strukturkonzept eine Zentralisierung vor: So sollen beispielsweise bestehende Pavillonstrukturen in Zentralkomplexe überführt werden. In Lübeck erfolgt der Endausbau des Zentralklinikums, und in Kiel soll ein Zentralkomplex auf dem sogenannten Roten Platz entstehen, in den auch Bestandsbauten eingebunden werden. Durch die mit dem Zentralisierungskonzept verbundene Stilllegung von sanierungsbedürftigen Gebäuden entfallen die von Jahr zu Jahr steigenden Sanierungskosten. Neben dem Neubau sind auch umfangreiche Umbauten, Sanierungen und Renovierungen Bestandteil des Immobilien-Projektes. Nach der Grundsteinlegung am Campus Lübeck erfolgt eine Grundsteinlegung auf dem Campus Kiel im Winter 2015/2016.

Erweiterungsbau Zentralklinikum Campus Lübeck
Das neue UKSH, Campus Lübeck, vervollständigt die bauliche Bestandsstruktur und organisiert gleichzeitig die Grundstruktur  neu. So erhält die Gebäudestruktur einen neuen Eingang hin zur Ratzeburger Allee mit Cafeteria und Apotheke sowie mit direkter Anbindung an das derzeit im Bau befindliche neue Parkhaus. Durch den Neubau wird das bestehende Zentralklinikum um ein neues Hauptgebäude mit einer Bruttogrundfläche von 65.000 Quadratmetern auf sechs Stockwerken erweitert. Die bisher in Provisorien untergebrachten Kliniken werden in den Zentralkomplex integriert, darunter unter anderem die Interdisziplinäre Notaufnahme, Allgemeine Chirurgie, Urologie, Diagnostikeinheiten, ein OP-Bereich mit 20 Sälen (einschließlich Hybrid-OP), Intensivstationen (98 Betten), fünf Normalpflegestationen (198 Betten, vorwiegend Zweibettzimmer) sowie drei Wahlleistungsstationen (87 Betten, vorwiegend Einbettzimmer). Auf dem Dach des Neubaus entsteht ein Hubschrauberlandeplatz.

Die Fertigstellung des Rohbaus am Campus Lübeck ist für das Frühjahr 2017 geplant, eine Gesamtfertigstellung des Lübecker Zentralklinikums ist für Herbst 2018 vorgesehen. Über die gesamte Bauzeit werden auf der Baustelle über 200 Firmen, Planer und Bauunternehmen sowie Lieferanten tätig sein, viele davon stammen aus der Region. Die Baugrube am Campus Lübeck hat ein Volumen von 78.000 m³, dies entspricht ca. 1.000 Schiffscontainern. Für das Fundament werden ca. 15.000 m³ Beton benötigt. Im Rohbau werden ca. 6.600 Tonnen Stahl verbaut, was nahezu dem Gewicht des Eiffelturms entspricht.

Verfahren, Ausführung, Finanzierung
Der Landtag Schleswig-Holstein hatte bereits im jahr 2011 die Einleitung eines Markterkundungsverfahrens beschlossen. Ein Jahr später wurde das Vergabeverfahren in Form eines Wettbewerblichen Dialogs EU-weit gestartet. Im Ergebnis wurden dem privaten Partner Planung, Bau und Betrieb der Immobilie übertragen. Das  Land Schleswig-Holstein bleibt Eigentümer. Finanziert wird das Projekt zu 75 Prozent vom UKSH, der private Anteil des Bieters liegt bei 25 Prozent. Das Land ist mittelbar über eine so genannte Gewährträgerhaftung in die Finanzierung eingeschlossen.