Immobilien & Gesundheit

Exklusive Interviews

Mannheim,  29. Januar 2019


Interview Karl-Heinz Frings | Geschäftsführer GBG Mannheim | Integriertes Mobilitätskonzept

Ganzheitliche Quartiersentwicklung FRANKLIN: “Unser Mobilitätskonzept fußt auf Erneuerbaren Energien.“  

Konzeptionelle Nachhaltigkeit: Im Mannheimer Stadtteil FRANKLIN, in welchem bis zum Jahr 2025 Wohnungen für 8.000 Menschen entstehen, wird ein integriertes Mobilitäts- und Energieversorgungskonzept realisiert. Wirtschaftsbrief Gesundheit (WIB) sprach mit Karl-Heinz Frings, Geschäftsführer der MWS Projektentwicklungsgesellschaft (MWSP), die die Entwicklung des Stadtteils und anderer Projekte in Mannheim verantwortet. Frings, gleichzeitig Geschäftsführer der Muttergesellschaft GBG Mannheim, größte kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Baden-Württemberg, hatte von Beginn an auf eine zukunftssichere Infrastrukturlösung gesetzt. Interview: Thordis Eckhardt.  


WIB: Herr Frings, welche Bedeutung nimmt Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung Mannheims ein?

Karl-Heinz Frings: Die Stadt- und Quartiersentwicklung in Mannheim ist auf die Zukunft ausgerichtet. Wir schaffen moderne Wohnquartiere mit einem ausgewogenen Anteil an Grünflächen, Sport- und Freizeitangeboten. Eine Maximalbebauung der Gebiete ist nicht vorgesehen. Im Gewerbegebiet wiederum ist ein 10-prozentiger Grünanteil festgeschrieben. Im Stadtteil FRANKLIN beispielsweise, der auf einer rund 140 ha großen Konversionsfläche der gleichnamigen US-Siedlung realisiert wird, können wir bei Bestandsgebäuden energetisch sanieren und beim Neubau vom Reißbrett weg nachhaltig planen – von einer mobilen Infrastrukturlösung über innovative Wohn-, Energie- und Mobilitätskonzepte.  


WIB: Wie sieht das Innovationskonzept für FRANKLIN aus? Worauf wurde Wert gelegt?

Frings: MWSP ist auf FRANKLIN für die Planung und den Bau sowie für die Versorgungs- und Verkehrsstruktur des Quartiers zuständig. Wir standen anfänglich vor der Frage, nach welchen Kriterien die Bebauung stattfindet und welche Art von Mobilität wir entwickeln wollten. Hinsichtlich der Anforderungen der Flächenbebauung erstellten wir einen Kriterienkatalog für Wohnungsbauinvestitionen und verbanden diesen mit einer Zertifikatsanforderung: Die eingereichten Bewerber-Konzepte mussten Architektur- und Energie-Kriterien erfüllen, Umweltaspekte berücksichtigen und soziale oder Inklusions-Komponenten enthalten. Hinsichtlich der integrierten Mobilitäts- und Energieversorgungsstruktur entstand in Zusammenarbeit mit Solar-Parker ein modernes Konzept für eine integrierte Mobilitäts- und Energieversorgungsstruktur, die nun mit Zustimmung der Stadt Mannheim in die Umsetzung gebracht wird.  


WIB: Bitte skizzieren Sie uns das Mobilitäts- und Energieversorgungskonzept von FRANKLIN.

Frings: Im Kern beinhaltet es die Bereitstellung einer modernen Verkehrsinfrastruktur und den Zugriff auf E-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr, die Bereitstellung und Nutzung von Car-Sharing-Angeboten für Mieter mittels eines Car-Pools seitens der Wohnungsgesellschaften, privater Vermieter oder professioneller Mobilitätsanbieter. Um die Wirtschaftlichkeit eines Car-Sharings zu gewährleisten, bedarf es jedoch einer kritischen Masse von rund 10.000 Einwohnern, um 500 Nutzer zu generieren. Vom Start weg ist das kaum für einen Mobilitätsanbieter zu schaffen. So entschieden wir uns zur Gründung einer eigenen Mobilitätsgesellschaft namens blue village FRANKLIN mobil GmbH. Mithilfe einer Anschubfinanzierung in sechsstelliger Höhe, in die sechs Bauträger auf FRANKLIN zu gleichen Teilen einzahlten, konnten wir sofort mit einer eigenen, vom Start weg wirtschaftlich agierenden Car-Sharing-Flotte starten. Infrastrukturell sieht das Mobilitätskonzept eine Mobilitätszentrale und ein umfangreiches, effizientes Wege- und Ladesäulen-Netz im Quartier vor.  


WIB: Die kommunale GBG plant, das Mobilitätsangebot mit den Mietverträgen zu verknüpfen. Warum?

Frings: Perspektivisch verfolgen wir zwei Ziele: Wir möchten unseren Mietern ein niederschwelliges Mobilitätsangebot unterbreiten. Dieses wird im Mietvertrag integriert und sieht mittels einer Flatrate die kostenfreie Nutzung von E-Bikes, E-Autos und E-Roller für bis zu 16 Stunden pro Monat vor. Damit signalisieren und garantieren wir unseren Mietern, dass sie ein Recht auf Mobilität haben. Zum anderen möchten wir einen Umdenkungsprozess initiieren, der aufzeigt, dass modernes Wohnen mit einem umweltbewussten Leben und einer Schonung der Ressourcen vereinbar ist.  


WIB: Herr Frings, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Bilder:
© GBG Mannheim
© Hanseatische Fahrzeug Manufaktur / Franklin Mannheim