Immobilien & Gesundheit

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Berlin,  05. September 2019


Interview Dr. Malte Maurer | Deutsche Wohnen | Pflegeimmobilien

Deutsche Wohnen sieht sich im Markt für Pflegeimmobilien „absolut wettbewerbsfähig aufgestellt“

Deutsche Wohnen zählt zu den großen Bestandshaltern im Markt für Pflegeimmobilien – und betreibt das Geschäftsfeld doch nur als Nischensegment. Kerngeschäft bleibt die klassische, immobilienhaltende Gesellschaft. Gleichwohl ist für die Zukunft ein kontinuierlicher Ausbau über selektive Käufe geplant, erfuhr Wirtschaftsbrief Gesundheit im Interview mit Dr. Malte Maurer, Managing Director Nursing bei der Deutsche Wohnen.

Das Interview führte Thordis Eckhardt.  


WIB: Herr Dr. Maurer, die Deutsche Wohnen ist im vergangenen Jahr verstärkt in das Segment Pflegeimmobilien eingestiegen. Aus welchem Grund?

Dr. Maurer: Die Deutsche Wohnen blickt auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Pflege und Betreutes Wohnen zurück. Insofern war 2018 kein Einstieg für uns. Aber richtig, wir haben unser Engagement stark ausgeweitet und gehören heute mit 89 Einrichtungen und über 12.000 Betten zu den größten Anbietern in diesem Feld. Wichtig ist: Wir sehen uns zunächst einmal als klassische immobilienhaltende Gesellschaft, das ist unser Kernsegment. Zugleich haben wir aber über unsere Tochter Katharinenhof GmbH auch Erfahrung als Betreiber. Das ist auch insofern wichtig, weil wir damit Risiken erheblich minimieren können, mit denen ein reiner Immobilienhalter ohne eigene Betreiberkompetenz konfrontiert ist.  


WIB: Wie sieht das perspektivische Ziel in diesem Segment aus?

Dr. Maurer: Die demografische Entwicklung gehört zu den größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Die Nachfrage nach Pflegeplätzen wird auch zukünftig weiter ansteigen. Dem begegnen wir mit dem gezielten Ausbau unseres Angebots. In den vergangenen Jahren haben wir die Marktchancen konsequent genutzt und sind stark gewachsen, bevorzugt in attraktiven Metropolregionen. Daran werden wir uns auch künftig orientieren, aber über eher selektive Käufe. Wir wollen den Fokus künftig noch stärker auf die Qualität der Einrichtungen und Standorte legen.  


WIB: Mit dem Erwerb von Pflegeimmobilien geht die Betreiberfrage einher: Speziell in Hamburg haben Sie diese durch Minderheitsbeteiligungen gelöst. Halten Sie an diesem Geschäftsmodell fest und werden Sie es forcieren?

Dr. Maurer: Bei dem Unternehmen Pflege und Wohnen, Hamburg, sind wir den Weg eines sukzessiven Unternehmenszusammenschlusses gegangen und halten mittlerweile alle Anteile an der Betriebsgesellschaft. Bei 24 anderen im Jahr 2018 erworbenen Einrichtungen bestehen langfristige Pachtverträge mit namhaften Betreibern.  


WIB: Wie sehen die Pläne hinsichtlich weiterer strategischer Beteiligungen und Tochtergesellschaften für immobilienbezogene Dienstleistungen speziell für die Pflege und das Betreute Wohnen aus?

Dr. Maurer: Unser Schwerpunkt bleibt die Immobilie. Strategische Beteiligungen im Betrieb schließen wir für die Zukunft nicht aus, aktuell aber sehen wir da keinen konkreten Bedarf. Wir fühlen uns in der derzeitigen Struktur sehr wohl und absolut wettbewerbsfähig aufgestellt.  


WIB: Thema Digitalisierung: An welchen Digitallösungen arbeiten Sie für den Bereich Pflege?

Dr. Maurer: Natürlich schreitet auch in der Immobilienbranche die Digitalisierung voran, die Pflege ist da nicht ausgenommen. Wir verfolgen das mit großem Interesse und haben auch selbst einige Projekte in der Entwicklung. So arbeiten wir beispielsweise an einem Tool, welches den Angehörigen mehr Information und Transparenz über die täglichen Pflegeleistungen und den Zustand der zu pflegenden Person ermöglicht.  


WIB: Herr Dr. Maurer, ich danke Ihnen für das Gespräch.


Bild: © Deutsche Wohnen